Das ist schlecht:

Mehr Spaß? Leider reißt „Borderlands 3“ die Messlatte an dieser Stelle: Die Story erreicht nie die erzählerische Klasse des Vorgängers, was zum einen an den wenig denkwürdigen Charakteren liegt – allen voran die vergleichsweise lahmen Bösewichte – und zum anderen am arg bemühten Humor, dem der beißende und kluge Zynismus abgeht, der insbesondere Teil 2 auszeichnete. Natürlich muss nicht jede Punchline ein Brüller sein und die Maßstäbe sind freilich enorm hoch, aber mit pubertären Sexwitzchen gewinnt man beim mittlerweile ja auch sechs Jahre älteren Stammpublikum einfach keinen Pott. Ein Wiedersehen mit alten Gesichtern reißt es da auch nicht mehr raus.

Ärgerlicher finden wir jedoch, dass man es im Bestreben, die Marke gezielt old-schoolig zu halten, versäumt hat, diverse Kritikpunkte auszumerzen. Da wäre zum Beispiel die Steuerung der Fahrzeuge, die sich stur weigert, intuitiv zu sein. Zwar habt ihr nun die Wahl zwischen mehreren Steuerungslayouts, doch selbst bei der einen Einstellung, die es euch erlaubt per Knopfdruck Gas zu geben, anstatt den Stick nach vorne drücken zu müssen, müsst ihr mit dem linken Shoulder-Button vorlieb nehmen. Ist ja nicht so, als gäbe es in der Videospielwelt nicht bereits hinlänglich erprobte, gute Steuerungsvarianten, an denen man sich hätte orientieren können.

Ähnlich verhält es sich mit der Levelkarte, die man lediglich über einen Umweg über das Menü erreicht. Blöd: Es wird stets nur das aktive Missionsziel angezeigt. Zwar könnt ihr mit dem Steuerkreuz durch die verfügbaren Aufgaben klicken, noch viel einfacher wäre es aber doch gewesen, einfach alle Ziele auf der Karte zu markieren.

Generell macht es einem das Pad nicht immer leicht. Zwischen all den leuchtenden Munitionspaketen und Heilitems eine fallen gelassene Waffe aufzuklauben, kostet Zeit. Ebenso der stete Blick ins unnötig unübersichtliche Menü, um die Waffen umständlich zu vergleichen und letztendlich doch nur als Schrott zu markieren. Spielt ihr im Splitscreen, gerät das Spiel zudem jedes Mal ins Stottern, wenn euer Kollege ins Menü wechselt, und auch sonst gelingt es „Borderlands 3“ nicht, die im Performancemodus angepeilten 60 Bilder pro Sekunde auf der Pro und One X stabil zu halten.

Entscheidet ihr euch für bessere Auflösung, bricht die Framerate mitunter sogar erheblich ein. In diesem Modus macht es die Xbox One X mit stabileren 30 fps zwar besser als die Pro, da der gewählte Grafikstil jedoch keiner fotorealistischen Auflösung bedarf, könnt ihr ruhigen Gewissens in 1080p spielen um dann von einer besseren, wenn auch nicht perfekten Bildrate zu profitieren.

Die lange Wartezeit hat sich gelohnt! „Borderlands 3“ serviert Fans genau das, was sie sich erhofft haben und geht dabei erfolgreich das Risiko ein, altmodisch zu sein. Die süchtig machende Jagd nach immer besseren und teils völlig abgedrehten Waffen motiviert auch heute noch enorm, das anarchische Comic-Setting macht immer noch Laune und der Umfang wurde gehörig hochgeschraubt. Dem nunmehr bemüht wirkenden Humor hat die lange Wartezeit jedoch nicht gutgetan, und hinsichtlich der unnötig umständlichen Bedienung hätte man sich dann doch gerne auf moderne Genre-Konventionen einlassen dürfen. 

„Borderlands 3“ ist für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich.