Das ist gut/schlecht:

Dem schrägen und dreckigen Charme von Pandora hat der Zahn der Zeit nichts anhaben können. Immer noch müssen wir über die bombenvernarrte Tiny Tina schmunzeln, immer noch sind wir dezent genervt von Claptraps Aufmerksamkeitsdefizit-Störung. Wer also noch nie Hand an „Borderlands 2! gelegt hat, dem sei die VR-Erfahrung schon deshalb ans Herz gelegt, weil es sich schlicht um ein gut und vor allem witzig erzähltes Spiel handelt, an dessen Figuren man sich noch lange erinnern wird.

Alle anderen finden sich auch in VR sofort zurecht und genießen die neue Perspektive, die vor allem auf der Pro mit einem angenehm ruhigen Bild daherkommt. Das rührt freilich auch daher, dass die PS3-Grafik nicht allzu Hardware hungrig ist und entsprechend etwas angestaubt wirkt. Dem flüssigen Spielgenuss in VR kommt dies aber freilich zugute.

Wobei dieser wie stets von der eigenen Empfindlichkeit und auch der gewählten Form der Steuerungseingabe abhängt. „Borderlands 2 VR“ verfügt dabei über eine Vielzahl an Einstellungen, um das VR-Erlebnis an euren Magen anzupassen. So habt ihr die Wahl zwischen fließender Fortbewegung und Teleportation oder gar einer Mischung aus beidem, könnt einen Tunnelblick aktivieren und die Drehungen in Gradschritten individuell Konfigurieren.

Leider hinterlässt die Steuerung via Move-Controller mal wieder einen arg hakeligen Eindruck. Natürlich ist es ein cooles Gefühl, seine zwei Waffen wie in echt zu schwingen, doch gerade die Fortbewegung ist – wie schon in so vielen anderen andere PSVR-Spielen zuvor – alles andere als intuitiv und erfordert eine gewisse Einarbeitungszeit, bis es einigermaßen flutsch. So rund wie mit dem Gamepad wird es mit Move aber nie, weshalb jenes auch das Eingabegerät unserer Wahl darstellte. Zumal das Zielen mittels Kopfbewegungen in der Präzision an eine Maus heranreicht.

Neu in VR ist die „Bad Ass Mega Fun Time“ getaufte Zeitlupenfunktion, die uns gerade bei den hektischen Bosskämpfen das Leben erleichtern soll und auch tut. Sinnigerweise wurden dazu auch die Fertigkeitsbäume der Charaktere um neue BAMF-Fähigkeiten erweitert. Ebenfalls VR-exklusiv ist die Ego-Perspektive in den Fahrzeugen, die tatsächlich ein spaßiger Zugewinn beim Bereisen von Pandora darstellt.

Ansonsten verliert sich der Reiz der VR-Version jedoch verblüffend schnell, was womöglich daran liegen mag, dass Pandora abgesehen vom Loot im Vergleich zu einem Skyrim eher wenig Entdeckungsanreize bietet. Natürlich kann man auch hier wieder locker 30 spaßige Stunden in der Kampagne versenken, mit allen Nebenaufgaben könnt ihr die Zeit noch mal verdoppeln, erhabene VR-Wow-Momente werden einem auf dem kargen Planeten jedoch eher selten zuteil.

Dennoch: Wer „Borderlands 2“ noch nicht gespielt hat, der findet in der VR-Version eine gute Gelegenheit diese auf der aktuellen Konsolengeneration nachzuholen. Auch wenn leider der irre spaßige Koop-Modus fehlt, was laut Aussage der Entwickler der Sorge um die Spielbalance geschuldet ist. Diskussionswürdig!

Dass man auf die DLC verzichtet hat, finden wir indes frech. Nicht nur, dass dadurch zwei der eigentlich mittlerweile sechs spielbaren Figuren nicht zur Verfügung stehen, gerade „Tiny Tina's Assault on Dragon Keep“ hätte aufgrund der besonderen Perspektive immens von VR profitiert. Mal abgesehen davon, dass es sich dabei um einen der besten und kreativsten DLC aller Zeiten handelt. Shame on you, Gearbox!

„Borderlands 2 VR“ ist (noch) exklusiv für Playstation VR erhältlich.

Macht heute noch genauso viel Laune wie damals! Saubere Portierung eines zynischen Kult-Shooters, der auch nach sechs Jahren nichts von seinem schrägen Anarcho-Charme verloren hat, in VR jedoch keine besonderen Highlights setzen kann. Leider wurde der spaßige Koop-Modus gestrichen und auch die DLCs fehlen.