Die Souls-Reihe aus dem Hause From Software rettete quasi im Alleingang die Ehre des modernen Videospielers. Während die meisten AAA-Titel dem Massenmarkt wie eine billige Hure mit einem immer extremeren Casual-Anteil vom Straßenrand zuwinken, zogen die Japaner mit ihren Werken konsequent eine Linie, die haargenau zwischen Frust und Motivation verläuft. Die Ankündigung, den geistigen Nachfolger Bloodborne etwas zugänglicher gestalten zu wollen, sorgte von daher für Aufruhr unter den masochistisch veranlagten Fans. Haben From Software mit ihrem neuesten Titel also die Seele der Reihe verkauft? Nein, keine Sorge! Man hat sie nur gegen Blutechos eingetauscht.

Darum geht's

Tja, worum geht's in dem Third-Person-Action-Adventure-RPG? Was die Story betrifft, ist das gar nicht so einfach zu beantworten, da euch nicht einmal diese auf dem Silbertablett serviert wird. Fakt ist aber, dass wir als kranker Pilger in die Stadt Yharnam reisen, einem Ort, an dem wir ein Heilmittel zu finden hoffen. Dort angekommen müssen wir jedoch feststellen, dass die Stadt selber krank ist, und es offensichtlich auf uns abgesehen hat. Es werden irgendwelche Experimente an uns vorgenommen, und als wir wieder erwachen, sind wir ein Jäger, und aus einem uns nicht ersichtlichen Grund nicht sonderlich beliebt unter den schrägen Einwohnern.

Bevor ihr euch aber aufmacht, diesem düsteren Fleckchen seine Geheimnisse zu entlocken, macht ihr euch an die umfangreiche Charaktererstellung und wählt eine Herkunft, was im Prinzip den Klassen des Vorgängers entspricht, und je nach Wahl entsprechende Vorteile bietet. Da man sich im Laufe des Spieles mit von erlegten Gegnern gesammelten Blutechos aber in jede gewünschte Richtung weiterentwickeln kann, ist man darauf nicht dauerhaft festgelegt. Als Nächstes wählt ihr eure erste Hauptwaffe, die sich per Knopfdruck transformieren kann, so dass aus einem Schwert plötzlich ein dicker Hammer wird und aus einem flinken Degen eine flächendeckende Peitsche. In der anderen Hand tragt ihr standardmäßig einen Ballermann, der weniger für den Schaden zuständig ist, als viel mehr dafür, die Attacken des Gegners zu unterbrechen, um diesen im richtigen Augenblick zum Taumeln zu bringen und dann zu attackieren. Und genau hier offenbart sich auch der wohl größte Unterschied zur Souls-Reihe: Das Kampfsystem ist dynamischer und vor allem offensiver den je.

Das ist gut

Die Zeiten, in denen man sich gefühlte Stunden hinter seinem Schild versteckte, sind vorbei. Bloodborne setzt stattdessen auf flinke Ausweichmanöver und gut getimte Konterschläge, was nicgudrun.strutzenberger@ava-international.deht weniger Konzentration vom Spieler fordert. Jeder einzelne Fehler könnte euer Letzter sein, und dann heißt es, wieder vom jüngst entdeckten der raren Speicherpunkte starten, natürlich ohne die im vorherigen Durchgang gesammelten Erfahrungspunkte. Zwar könnt ihr diese wie gehabt wieder einsacken, solltet ihr, ohne euer Leben abermals zu lassen, die Stelle eures Todes wieder erreichen. Allerdings kann es sein, dass eines der vielen Monster euere Blutechos mittlerweile verschlungen hat. Dann hilft nur noch ein Sieg gegen eben jenen Gierschlund, selbst wenn es sich dabei um einen der Endbosse handelt. Und wo wir gerade dabei sind: Diese teils riesigen Biester sind eines der absoluten Highlights, nicht nur des Spieles, sondern dieser jungen Konsolengeneration. Design, Animation und Kampfdramatik sind ein Hochgenuss für den, der sich diesen furchterregenden Gegnern stellen mag. Und auch sonst wetzt Bloodborne mit seiner fantastischen Optik und der düsteren viktorianischen Stimmung eine der wohl größten Scharten der Souls-Reihe aus, die seit jeher in der eher mauen Technik bestand. Hinzu kommt, dass der Schauplatz Yharnam erstaunlich clever aufgebaut wurde, und auch ohne ewig blinkende Hinweise den Spieler stets seinen Weg finden, lässt.

Ja, Bloodborne ist knallhart, grausam und führt euch immer wieder hart an die Grenze zum Frust, doch es bleibt stets fair. Was immer im Spiel schief läuft, den Entwicklern kann man es nicht vorwerfen. Schließlich ist es eure eigene Schuld, wenn ihr im falschen Augenblick zwinkert, was mitunter schon reicht, um ins Gras zu beißen.

Das ist schlecht

Natürlich mag es so manchen geben, der genau diese gnadenlose Abstrafung selbst der kleinsten Fehler als Manko sieht. Doch Bloodborne ist in seiner Härte klar definiert und äußerst konsequent. Man weiß, worauf man sich einlässt, und wer dem Druck nicht standhält, der weiß halt, wo seine Grenzen liegen. Einfach kann schließlich jeder.
Das Einzige, was man dem Spiel neben der zuweilen einbrechenden Bildrate und einer manchmal chaotischen Kamera ernsthaft vorwerfen muss, sind die enormen Ladezeiten nach dem Ableben. Sterbt ihr zum Beispiel während eines Bosskampfes, müsst ihr bis zu 40 Sekunden ausharren, bevor ihr es erneut versuchen dürft. Eine herbe Spielspaßbremse, ohne die Bloodborne der Perfektion sehr nahe käme. Aber wer weiß, vielleicht verschafft ja ein Update Abhilfe.

Dieses Spiel hasst dich, doch es gibt dir zumindest eine Chance. Als geistiger Nachfolger der Souls-Reihe wirft Bloodborne einiges an Ballast über Bord, ohne dadurch weniger fordernd zu sein und bricht damit abermals eine Lanze für das Medium Videospiel. Stets fair treibt es den Spieler an seine Grenzen und sieht dabei auch noch fantastisch aus. Kurzum: ein Meisterwerk!