Das ist gut:

Im Prinzip ist „Blood & Truth“ eine dieser typischen VR-Ballersimulationen, die wie auf Schienen läuft, angereichert mit ruhigen narrativen Momenten, um die Geschichte voranzutreiben, und Sequenzen, die schlicht dem Schauwert dienen. In rund sechs bis sieben Stunden erlebt ihr dabei einen Actioner, der kaum ein Klischee auslässt, sich dabei aber glücklicherweise nie allzu ernst nimmt, und eine recht lockere, fast schon schelmische Atmosphäre aufbaut. Insbesondere wenn Ryan mit seinem Bruder Nick unterwegs ist.

Originell ist das auf dem Papier alles freilich nicht, in VR läuft die Nummer aber zur absoluten Hochform auf. Kurz zu den Fakten: Mit den Move-Controllern steuert ihr eure Hände, mit denen ihr wiederum mit der Welt, Waffen und Werkzeug interagiert. Kleinere Kaliber finden in zwei Hüftholstern Platz, die ihr seht, wenn ihr an euren ansonsten unsichtbaren Körper herabblickt. Größere Kaventsmänner tragt ihr am Rücken, Munition in einer Tasche auf eurer Brust. Im Spiel sieht das dann folgendermaßen aus:

Seid ihr in einem Einsatzgebiet wie Baustelle, Casino oder Hangar unterwegs, geben weiße Pfeile an, wohin ihr euch per Knopfdruck automatisch bewegen könnt. Mal gilt es dort schlicht eine Tür zu öffnen, mit eurem Einbrecherwerkzeug in einem kleinen Minispiel Schlösser zu knacken, Schaltkreise zu manipulieren oder sogar Gerätschaften wie einen Kram oder Kameras per Joystick zu bedienen. Befindet ihr euch im Gefecht, geht Ryan an diesen Punkten automatisch in Deckung, wobei ihr immer wieder von Gegnern flankiert werdet und folglich aktiv die Position wechseln müsst.

Je nach Spielweise und Situation entscheidet ihr euch für Sturmgewehr, Schrotflinte oder schallgedämpfte Pistole, geht taktisch vor oder dreht mit zwei Wummen in den Händen und aktivierbarer Zeitlupe ganz einfach frei, um lässig den coolen Action-Helden zu markieren. Spätestens wenn ihr mit zwei leergefeuerten Maschinenpistolen gleichzeitig an eure Brust greift, über Kreuz frische Munitionsclips in die Waffen schiebt und daraufhin mit ausgestreckten Armen die Gegner links und rechts niederzumähen beginnt, wachsen euch spontan mal Brusthaare und es entfährt euch garantiert ein schmutziges Lachen.

Ja, man muss ein Herz für derartig überzogene Baller-Action haben. Aber wenn ihr ein solches habt, dann geht es euch das in „Blood & Truth“ auf, wie nirgendwo sonst. Wir waren jedenfalls förmlich entzückt, als wir feststellten, dass die Präzision der Waffen tatsächlich erheblich besser ist, wenn man sie mit zwei Händen führt, dass die Pumpgun nachgeladen werden muss, indem man den Schlitten mit einem ikonischen „Ratsch-Ratsch!“ vor und zurück schiebt, dass ihr mit dem Revolver auch im Western-Stil feuern und den Stift einer Granate im Notfall auch mit dem Mund ziehen könnt. Zwar kommt es beim beidhändigen Zielen durch das Visier oder über Kimme und Korn zu Problemen bei der Abfrage, da sich die Leuchtkugeln der beiden Controller vor der Kamera zwangsläufig überlagern, ansonsten ist die Immersion aber Bombe.

Freut euch zudem auf den Sprung mit einem Fallschirm und aus dem Fenster im fünften Stock, auf schwindelerregende Klettereinlagen an Gebäudefassaden, einen höchst ästhetischen Museumsbesuch und um euch herum einstürzende Gebäude. Dabei sieht die Grafik für VR-Verhältnisse auch noch richtig gut aus und brilliert vor allem in der äußerst authentischen Darstellung der Figuren, die nicht nur technisch, sondern auch hinsichtlich der schauspielerischen Leistung überzeugen. Es ist dem Erlebnis einfach angemessen, wenn wir etwas salopp sagen: Geiler Scheiß!