Daedalic Entertainment benötigte gerade mal zehn Monate, um einen Nachfolger für das umstrittene Blackguards fertigzustellen. Das klingt verdächtig nach einem Add-on. Doch das ist letztlich eine Frage der Definition. Ein Add-on erweitert das Original um Inhalte, während ein Nachfolger eine in (möglichst) allen Belangen verbesserte Weiterentwicklung mit starkem Wiedererkennungswert darstellt. Und insofern haben wir es bei Blackguards eindeutig mit Letzterem zu tun.

Darum geht's

Blackguard 2 basiert auf dem altehrwürdigen Pen-&-Paper Klassiker 'Das schwarze Auge'. Das bedeutet nicht nur, dass dem Spiel eine durchdachte Fantasywelt zugrunde liegt, auch dem komplexen Regelwerk will Rechnung getragen werden. Zu diesem Zweck reichert Daedalic Entertainment das Grundkonzept eines rundenbasierten Strategiespieles mit einer gehörigen Portion Rollenspiel an.
Hauptcharakter ist die offenbar geistesgestörte Cassia. Von ihrem eigenen Kerl in ein Verlies geworfen, hatte die von Spinnengift gleichermaßen physisch wie psychisch entstellte Dame eine Menge Zeit, um Rachepläne zu schmieden. Um diese in die Tat umzusetzen, bedient sie sich der aus dem Vorgänger bekannten Gruppe, bestehend aus Zwerg Naurim, Zauberer Zurbaran und dem Kämpfer Takate. Zu Beginn des Spiels flieht ihr gemeinsam und fortan hat Cassia nur noch ein Ziel: Ihren Gemahl vom Thron zu fegen.

Dazu erobert ihr in rundenbasierten Schlachten Stützpunkt um Stützpunkt, Stadt um Stadt. Auf den in Hexagone unterteilten Karten stehen euch neben den Hauptfiguren auch die Söldner der stummen Legion zur Verfügung, welche in Form kleiner Verbände von Speerträgern, Schwertkämpfern oder Bogenschützen in den Kampf geschickt werden. Nach einem Sieg winken dann Erfahrungspunkte und neue Ausrüstungsteile, mit denen man – ganz Rollenspiel – die Attribute und Fähigkeiten seiner Figuren verbessert.

Das ist gut:

Für den zweiten Teil hat Daedalic Entertainment das starre Korsett des strengen DSA-Regelwerkes zugunsten flüssigeren Gameplays etwas gelockert. So gibt es zum Beispiel keine nervigen Fehlschläge mehr, welche selbst scheinbar simple Kämpfe zuvor unnötig in die Länge zogen. Kenner des Vorgängers werden noch viele weitere solcher Detailverbesserungen bemerken, die das Kampfgeschehen planbarer und komfortabler gestalten. Zudem bringen diverse interaktive Elemente auf den Schlachtfeldern eine zusätzliche Prise Taktik in die Sache, was bei einem Spiel, das sich nicht so richtig entscheiden kann, was es sein will, mehr als willkommen ist. Doch auch der Rollenspielpart weiß mit übersichtlichen Menüs zu gefallen. Anhand der Unmengen an variablen Parametern könnt ihr Stunden damit verbringen, die Figuren eurem Spielstil entsprechend anzupassen. Oft liegt genau darin der Schlüssel zum Sieg in den nach wie vor kniffligen Kämpfen …

Das ist schlecht:

... die leider zu oft vom Glück abhängen, was einem den Sieg entweder madig macht oder im Falle einer Niederlage Frust erzeugt. Hardcore-Gamer wird es freuen, schließlich macht genau das die Auseinandersetzungen recht spannend, doch wer mit Hoffnung auf ein ausgefeiltes Rollenspiel in Aventurien quasi aus Versehen ins Strategiegenre hereinschnuppert, der wird von Blackguards 2 nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen. Wollt ihr das Regelwerk durchschauen, solltet ihr schon einige Stunden einplanen, bis es dann irgendwann „Klick“ macht.

Nichts für Weicheier! Der knackige Hybrid aus Rundenstrategie und Rollenspiel überzeugt mit einem interessanten Hauptcharakter, abwechslungsreichen Schlachtfeldern und vielen Detailverbesserungen gegenüber dem Vorgänger. Nur die müde Technik, die ist noch die gleiche. Ein echter Geheimtipp für PC-Gamer!