Eigentlich sollte es in diesen Tagen kaum etwas Schöneres geben, als nach getaner Arbeit auf Terrasse, Balkon oder Parkwiese den Grill zu befeuern. Danach macht man es sich gemütlich und gönnt sich das eine oder andere kühle Blonde, um sich den Staub der heißen Jahreszeit aus der Kehle zu spülen. Eigentlich.  

Das würde im sozialistischen Kuba wahrscheinlich auch der eine oder andere gerne. Doch während wir uns hierzulande bereits Mitte August in vielen Teilen Deutschlands mit Dauerregen und Temperaturen um 12 Grad herumplagen, leidet man dort Durst. Bierdurst, um genau zu sein. Der Grund: Der Inselstaat erlebt einen seiner heißesten Sommer der letzten 60 Jahre.     

Die drastische Temperaturentwicklung hat zu Hamsterkäufen geführt, sodass die größte Brauerei des Landes, Bucanero, nicht mit der Herstellung hinterherkommt. Unter anderem deshalb, weil man in den kühleren Monaten zu wenig Braugerste importiert hatte. Durstige, die sich nach einer obergärigen Stärkung sehen, werden allenfalls noch in den „Paladares“ fündig – Mini-Restaurants, die von   Privatpersonen geführt werden. Und ebenso wie viele Endverbraucher bunkern diese die ohnehin knappen Vorräte und verlangen auch schon mal bis zu 15 % des Normalpreises für eine Gerstenkaltschale:      

„Es war eine Odyssee, Bier für eine Abschiedsparty am Dienstag zu finden“, so ein chilenischer Auswanderer. „Ich bin in halb Havanna in Supermärkte, Tankstellen und Alkoholgeschäfte gegangen, bevor ich es schließlich in einem Restaurant kaufen musste."

Da Bucanero, ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen kubanischem Staat und der Anheuser-Busch InBev – der größten Brauereigruppe der Welt – quasi das Biermonopol auf der Insel hält, dürfte sich an der Situation zeitnah kaum etwas ändern. Denn Importbiere sind im sozialistischen Staat Mangelware und ein absolutes Luxusgut. Dann wohl doch lieber Regen …      

Quelle: Focus