Quantic Dream. Ein Name, der bereits seit seligen Playstation-2-Tagen ebenso für innovative Erzählkunst im actiongebeutelten Videospielsektor steht, wie auch für die Kontroverse, ob man derartige Kunstwerke überhaupt noch Spiel nennen kann. Mit seinem neuesten Werk hat es David Cage, der kreative Kopf des Vereins, sogar noch einen Schritt weiter getrieben, als bei dem inoffiziellen Vorgänger Heavy Rain. Denn eines ist mal sicher: Wer mit interaktiven Filmen so gar nichts anfangen kann, der wird mir Beyond: Two Souls trotz all seiner Stärken nicht warm werden.

Darum geht's:

Beyond erzählt die dramatische Lebensgeschichte der übersinnlich begabten Jodie. Allerdings lenkt ihr nicht nur das vom Schicksal arg gebeutelte Mädel, sondern auch ihren Geisterkumpel Aiden, der sie schon seit ihrer Geburt als unsichtbare Präsenz an sie gebunden ist. Während Jodie über äußerst simple Buttonkommandos an bestimmten Stellen mit der Umwelt und den Menschen darin interagiert, dürft ihr mit Aiden frei durch die Luft und sogar durch Materie wie Wände und Türen schweben, um mit einem blauen Punkt markierte Gegenstände in bester Poltergeistmanier zu manipulieren. Eingeschränkt ist diese Bewegungsfreiheit jedoch durch eine glitzernde Nabelschnur die es dem Geist nicht erlaubt, sich zu weit von seinem Medium zu entfernen – und durch die vorgegebenen Levelgrenzen. Dafür sind manche Menschen anfällig für eine Übernahme durch Aiden, so dass dieser in deren Körper fährt und ihr diese dann lenken dürft. Auf Basis dieses spielerischen Grundgerüstes entfaltet sich eine grandios inszenierte Geschichte, welche munter in der Zeit hin- und herspringt. Eine Timeline in den Ladepausen visualisiert dabei gekonnt die eigentliche Reihenfolge der Ereignisse.

Das ist gut:

Beyond gehört grafisch zu den absoluten Highlights dieser Konsolengeneration. Wer Heavy Rain schon beeindruckend fand, der wird angesichts der grandios glaubwürdigen Gesichter Bauklötze staunen. Wahnsinn, was aus der betagten Brotkiste noch rauszuholen war. Gepaart mit der Detailverliebtheit der Schauplätze, der großartigen Leistung der Schauspieler – allen voran Ellen Page und Willem Dafoe –, der – man kann es nicht oft genug erwähnen – fesselnden Erzählweise und der Tatsache, dass man durch seine Handlungen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte nehmen kann, seid ihr innerhalb kürzester Zeit so dermaßen von Beyond gefesselt, wie es Aiden an Jodie ist. Allerdings nur wenn ...

Das ist schlecht:

... man damit leben kann, dass spielerisch sogar noch deutlich mehr auf Sparflamme gekocht wird, als es in Heavy Rain der Fall war. Vollkommen egal, ob ihr die äußerst simplen Quick Time Events nun meistert oder nicht, es geht immer weiter. Verlieren könnt ihr nicht, weswegen der Herausforderungscharakter, der Spielen ja nun mal zueigen ist, nie wirklich zum Tragen kommt, solange man sich nicht zumindest emotional auf das Geschehen einlässt. Zudem ist festzustellen, dass David Cage bisweilen äußerst tief in die Klischee-Kiste gegriffen hat.

Beyond Two Souls ist ein inszenatorisch fulminanter Ausklang der aktuellen Konsolengeneration! Ein erzählerischer Meilenstein auf der Playstation 3, der die Grenzen zwischen Spiel und Film deutlich in Richtung Hollywood verschiebt. Wer spannende und dramatische Geschichten mag, greift zu. Wer hingegen einfach nur zocken will als auch die Herausforderung sucht, wird nicht glücklich. Alle anderen spielen unbedingt Probe!