Derzeit geht in Videospielkreisen ja eine Debatte ab, bei welcher die beiden Lager unterschiedlicher kaum sein könnten. Während Frauenrechtlerinnen die Darstellung der Frauen in Videospielen öffentlich monieren, gehen pubertierende Nerds aus Angst, dass man ihnen ihre Wichsvorlagen wegnimmt, empört auf die Barrikaden. Die Kontroverse hat bereits äußerst schräge Züge angenommen, da erscheint nach vier Jahren Abwesenheit mit sexy Hexy Bayonetta ausgerechnet eine Dame wieder auf den Bildschirm, welche die ausufernd laszive Zurschaustellung anregender Rundungen zu einer Religion erhoben hat, ohne sich dabei auf ein schwächliches Frauenbild zu reduzieren. Wäre interessant zu hören, was sie zu dem Thema zu sagen hat, aber fürs Erste konzentrieren wir uns auf ihren WII-U-exklusiven zweiten Auftritt.

Darum geht‘s

Die Dame von Welt kann nicht einmal in Ruhe ihre Weihnachtseinkäufe tätigen, ohne dass die Heerscharen des Himmels über die Menschen herfallen und einem dabei das schicke Kleid kaputtmachen. An sich wäre das ja noch zu verschmerzen gewesen, wenn nicht beim darauffolgenden furiosen Gefecht die Seele der besten Freundin gen Hölle gefahren wäre. Also macht sich Bayonetta auf, um diesmal nicht nur oben, sondern auch unten aufzuräumen.
Im Gegensatz zum Vorgänger hat sich dabei nicht viel geändert. Nach wie vor prügelt ihr mit einer unüberschaubaren Zahl möglicher Kombos auf abgefahren designte Engel und (diesmal auch) Dämonen ein und nutzt dabei vier Ballermänner, von denen die Umbra-Hexe zwei in Händen hält, während die anderen beiden am Ende ihrer schier endlos langen Beine befestigt sind. Nach einer erfolgreichen Schlag-, Tritt- und/oder Ballerfolge schält sich zudem gerne mal das aus Haaren bestehende Kostüm vom wohlgeformten Leib und fährt unter anderem als riesiger Stiefel auf die Gegner herab, um diese wie eine Zigarette mit dem Absatz auszutreten. An vorgegebenen Stellen wird es eine Nummer größer und Bayonetta beschwört gigantische Dämonen, welche nicht minder großen Feinden endgültig den Garaus machen. Je nachdem wie effektiv ihr kämpft, werdet ihr nach jedem Scharmützel über Medaillen bewertet und entsprechend mit Ringen belohnt, welche im Shop als Währung für neue Items, Waffen und Klamotten dienen.

Das ist gut

Bayonetta 2 führt zwar nicht zu dem gleichen Aha-Effekt wie der innovative Vorgänger, setzt euch aber auch diesmal wieder in eine stark designte Action-Achterbahn, die ihresgleichen sucht. Japanophil bis ins Mark kloppt ihr Drachen von Hochhäusern, surft auf und in einem gewaltigen Wasserstrudel oder messt euch vor der Kulisse haushoher kämpfender Dämonen mit einem Feind und müsst dabei ob des steten Augenzwinkerns der Entwickler quasi unentwegt grinsen. Bayonetta 2 ist überzogen und schrill, bietet euch beste Old-School-Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Minute. Grafisch mag der Titel vielleicht nicht mit aktuellen Next-Gen-Schwergewichten mithalten, zeigt allerdings, wozu die Wii U in der Lage ist und feuert ein Effektgewitter ab, welches stets flüssig läuft. Wer sich zudem für wenige Euro mehr das Doppelpaket sichert, erhält den ersten Teil in einer dezent überarbeiteten Form gleich mit dazu, in welchem Bayonetta auch gerne mal in das Kostüm von Link oder Samus Aran schlüpft. Wir sagen „Danke, Nintendo!“, denn ohne Einwirken des Branchen-Dinos hätte es das Spiel wohl nie gegeben, was den Ärger über die Exklusivität relativiert. Diese Tatsache nutzt Fans, die keine Wii U besitzen freilich wenig. Aber wer will es den Japanern verdenken!? Die Konsole hat einen Kaufanreiz mehr als nötig!

Das ist schlecht

Wer Bayonetta 2 spielt, braucht Zocker-Daumen. Vielleicht ist es nicht ganz gerecht das Spiel als Button-Masher zu bezeichnen, doch Hand aufs Herz: Wer merkt sich schon die ganzen Kombos? Das Kampfsystem ist so konzipiert, dass auch bei wildem Gedrücke eine geile Choreographie herauskommt, also was soll's!? Allerdings kommt diese nicht unbedingt zur Geltung, wenn auf dem Bildschirm mal wieder der Punk abgeht, und man aufgrund der weit entfernten Kamera die Bayonetta vor lauter Gegnern nicht erkennt. Ein Problem, mit dem auch schon der Vorgänger zu kämpfen hatte, und von unserer Seite so ziemlich der einzige echte Kritikpunkt.

Halsbrecherische Beat-'em-up-Achterbahn mit scharfen Kurven. Bayonetta 2 erfüllt alle Erwartungen und hält das hohe Niveau des grandiosen Erstlings. Der wahrgewordene feuchte Traum eines jeden Actionfans ist jedoch Nintendo-exklusiv und somit Wii-U-Besitzern vorbehalten. Ein starkes Kaufargument für die Nintendos Konsole!