Unsere aktuelle Spiellandschaft verdeutlicht recht gut, wie sehr dem Menschen der Krieg zueigen ist. Der Markt wird dominiert von Militärshootern, und das nicht erst seit Call of Duty: Modern Warfare. Schon lange davor strömten unzählige Spieler auf die Schlachtfelder des Zweiten Weltkrieges, bis das Thema irgendwann gnadenlos ausgelutscht war. Heute führen wir High-Tech-Krieger in den Kampf gegen gesichtslose Armeen, aber das mittlerweile auch schon seit gefühlt eintausend Spielen. Ganz vorne dabei: die Battlefield Reihe. Doch die geht mit Hardline nun neue Wege.

Darum geht's
Battlefield Hardline versteht sich als eine Art Spin-off, welches grundsätzlich auf dem Fundament der Vorgänger aufbaut, aber durchaus auch als eigenständiges Spiel hätte durchgehen können. Immerhin saßen nicht mehr die Stamm-Entwickler von DICE am Ruder, sondern die Dead-Space-Macher Visceral Games. Die Ankündigung, mit Hardline endlich einen dringend benötigten Szenarienwechsel vorzunehmen, stieß im Vorfeld auf großen Anklang, und so finden wir uns nach dem Starten der Kampagne auf den Straßen Miamis wieder. Wir sind kein Soldat, sondern ein Vollblut-Cop, der Feind ist diesmal kein Schurkenstaat, sondern das kriminelle Pack auf der Straße und die Drogenkartelle im Hintergrund. Im Stile einer TV-Serie gliedert sich die Story dann auch in zehn Episoden, wozu die Besetzung mit aus dem Fernsehen bekannten Gesichtern natürlich gut passt.
Konsequenterweise fügen sich auch die Onlinegefechte in das neue Räuber-und-Gendarm-Schema und kommen entsprechend entschlackt daher. Ein riesiger militärischer Fuhrpark mit Panzern und allem Pipapo passt schließlich nicht so recht ins Konzept, weshalb wir nun mit schlanken Flitzern umherrasen und uns in insgesamt acht Spielmodi austoben, von denen bloß zwei so wirklich neu sind.

So versuchen beide Partien, in Blood Money ihren Tresor möglichst schnell zu füllen, indem sie sich an einem Geldlager in der Mitte des Spielfeldes bedienen, während die Verbrecher in Hotwire versuchen müssen, mit gestohlenen Fahrzeugen zu entkommen. Die restlichen Modi kennen Battlefield-Spieler so oder in ähnlicher Form bereits aus den diversen Vorgängern, was aber ja nichts Schlechtes ist. Man will sich schließlich auch im Drogenkrieg ein bisschen zuhause fühlen.



Das ist gut
Grundsätzlich ist der Sprung von den Schlachtfeldern dieser Welt hin zum Drogenkrieg auf den Straßen Miamis erst einmal lobenswert. Man merkt der Kampagne trotz einiger Ungereimtheiten an, dass Viscerals Games sich Mühe gegeben hat, auch Solospielern etwas zu bieten. Erst recht da man diesmal nicht mehr darauf beschränkt ist, alles umzunieten, was einem vor die Flinte kommt, sondern Gegner auch mit vorgehaltener Dienstmarke festnehmen, oder ganz einfach umschleichen kann. Als Kaufgrund für ein Battlefield reicht das natürlich nicht aus, weshalb der Fokus abermals auf den bewährten Onlinegefechten liegt.
Zwar gleitet gerade Blood Money gerne in ein heilloses Durcheinander aus, doch das neue Freischaltsystem dürfte wohl auch alten Hasen zusagen. Anstatt ewig mit einer Waffe rumzuballern, um genug Abschüsse zu sammeln, verdient ihr in Hardline nämlich eine Ingame-Währung, für die ihr vom Start weg sämtliche Ballermänner auch klassenübergreifend erwerben könnt. Das motiviert ungemein und ermuntert euch vor allem, auch mal in andere Rollen zu schlüpfen.
Des Weiteren ist die gelungene Soundkulisse hervorzuheben, doch das hat man von den Dead-Space-Machern auch nicht anders erwartet. Schade nur …

Das ist schlecht
… dass die deutsche Abmischung dem Klangteppich mitunter Sand ins Getriebe streut. Die Stimmen sind teilweise kaum zu verstehen und wer deshalb seine Anlage oder den Fernseher lauter macht, wird sich in ruhigeren Szenen des Öfteren erschrecken, wenn die Gespräche plötzlich in entsprechender Lautstärke aus den Boxen donnern.
Besagte Ungereimtheiten in der Kampagne betreffen vor allem die Logik der Spielmechanik. Solange man als Bulle agiert, ist eine Festnahme der Kriminellen zwar schlüssig, allerdings ergibt die Nummer in der zweiten Spielhälfte keinen Sinn mehr, in welcher wir – so viel sei verraten – nicht mehr im Dienste des Staates stehen. Mal ganz abgesehen davon, dass die KI sich selbst dann Handschellen anlegen lässt, wenn sie sich eigentlich zahlenmäßig und was die Bewaffnung betrifft, klar im Vorteil wähnen sollte.
Die Optik macht im Vergleich zum Vorgänger leider keinen nennenswerten Sprung. Tatsächlich wirkt die Grafik sogar eher schlechter, da man sich im Zuge der Neuausrichtung auf schmutzige Hinterhöfe, enge Häusergassen oder triste Sümpfe beschränkt. Aber dem geübten Onlinekrieger ist Geschwindigkeit ohnehin viel wichtiger als Optik, weswegen zum Schluss noch gesagt sei, dass Hardline nach einem etwas holprigen Start online mittlerweile rund läuft, und auch mit 64 Spielern im Modus Eroberung nicht ins Stottern gerät.

Räuber und Gendarm für große Jungs! Die Macher von Dead Space vollführen mit ihrer Interpretation von Battlefield einen willkommenen Szenarienwechsel, und thematisieren den Drogenkrieg auf der Straße. Zwar kann man den Solo-Modus auch diesmal am ehesten als „bemüht“ bezeichnen, aber wer ein Battlefield kauft, der zockt sowieso Online, und wird, was das betrifft, auch mit Hardline glücklich.