EA holt sich für die deutsche Synchronisation des kommenden First-Person-Krachers ‘Battlefield 1’ prominente Unterstützung. Für die Rolle des Lawrence von Arabien konnte niemand Geringeres als das deutsche Aushängeschild in Sachen Schauspiel, Tom Wlaschiha, verpflichtet werden. Den meisten besser bekannt als Jaqen „Ein Mann schuldet einem Mädchen drei Leben“ H'ghar aus ‘Game of Thrones’. In Hamburg trafen wir den sympathischen Globetrotter und sprachen mit ihm über seine Rolle, den Ersten Weltkrieg und natürlich Videospiele.

-Herr Wlaschiha, Sie sprechen in ‘Battlefield 1’ eine historische Figur aus dem Ersten Weltkrieg. Erzählen Sie uns doch bitte ein wenig zu Thomas Edward Lawrence, besser bekannt als „Lawrence von Arabien“. Mit was für einer Persönlichkeit haben wir es dabei zu tun?

T. E. Lawrence kam aus einer britischen Adelsfamilie und ist nach Nordafrika gegangen, um im Ersten Weltkrieg den verschiedenen arabischen Stämmen dabei zu helfen, gegen die Osmanen zu Felde zu ziehen. Er ist zur Legende geworden, weil es dank seiner klugen taktischen Operationen möglich war, die technische Übermacht der Osmanen geschickt auszutricksen.

-Nun werden wir Lawrence im Spiel ja nicht selber steuern können, sondern eine junge Rebellin, die wir bereits im Trailer gesehen haben.

Genau. Eine von den fünf Episoden der Kampagne spielt wie gesagt in Nordafrika und Lawrence ist dabei der Erzähler der Geschichte. Der Spieler lenkt eine junge Frau, besagte Rebellin, der er zur Seite steht.

-Wer ist die Dame und in welchem Verhältnis steht sie zu Lawrence?

Die Dame heißt Zarah und den Rest werden wir sehen. (Lächelt verschwörerisch)



-Verstehe, verstehe. Dann verraten Sie uns doch stattdessen, ob sich ‘Battlefield 1’ bei der Erzählung weitestgehend an die historischen Fakten hält oder zugunsten einer modernen Darstellung des Krieges und der Protagonisten viele Kompromisse mit der Geschichte gemacht werden mussten?

Der Erste Weltkrieg dient natürlich als Hintergrundsetting, doch das Spiel erhebt keinen Anspruch auf absolute historische Genauigkeit. Es sind durchaus Szenen dabei, die so jetzt nicht eins zu eins verbrieft oder überliefert sind. Aber der Wüstenkrieg, die angesprochenen Stammesgeschichten, der Kampf gegen die Übermacht, das hat schon so stattgefunden. Und da ist die historische Figur natürlich relativ genau als Vorbild genommen worden.

-First-Person-Shooter im Allgemeinen sind ja eher für ihre bombastische Präsentation als für tiefschürfende Geschichten bekannt. Verfolgt ‘Battlefield 1’ da erzählerisch einen anderen Anspruch, oder möchte es ganz einfach nur unterhalten?

Ich glaube, es ist ein Mix aus allem. Das Spiel soll natürlich Spaß machen, aber weswegen ich auch so Lust hatte, es zu machen, ist, dass es diesen historischen Hintergrund gibt. Dass man also durchaus etwas dabei lernen kann und dass es sehr auf Taktik ankommt und nicht nur auf Geballere. Gerade im Multiplayermodus ist es ja entscheidend, dass man sich mit anderen taktisch klug verhält, um ans Ziel zu kommen.

-Im Idealfall, ja! Doch kommen wir erst mal zur Vertonung. Sie sagten mal, dass die Sprache 50 Prozent der schauspielerischen Darstellung ausmacht. Fühlt man sich von daher bei einem reinen Synchro-Job auch nur halb gefordert?

Man fühlt sich eigentlich doppelt gefordert, weil man es dabei natürlich schaffen muss, nur über die Sprache einen Charakter zu kreieren, der vielschichtig und glaubwürdig ist. Wenn man Gestik und Mimik nicht zur Verfügung hat, muss man umso mehr über die Sprache gehen, um eine Figur plastisch zu erschaffen.

-Meldet sich bei der Vertonung einer Rolle, die jemand anders gespielt hat, nicht trotzdem manchmal der körperliche Schauspieler in ihnen und denkt sich „Na, das hätte ich aber anders gemacht“?

Nein, das eigentlich nicht. Aber man geht natürlich mit. Ich stehe ja nicht stocksteif vor dem Mikro, gerade wenn es emotionale oder Kampfszenen sind. Das ist ja auch ganz natürlich. Die Stimme kommt nicht aus dem Nichts, sondern aus einer bestimmten körperlichen Anspannung. Wenn man bestimmte Aktionen macht, dann kommt auch die entsprechende Stimme dazu. Deswegen geht man als Synchronsprecher auch vor dem Mikro immer mit dem ganzen Körper mit.

-Macht es dabei einen Unterschied, ob man einen computergenerierten Charakter synchronisiert oder einen realen?

(Überlegt) Nicht viel. Vor allem, wenn die Darstellung wie bei ‘Battlefield 1’ so lebensecht ist. Man sieht die Figuren ja tatsächlich sprechen und muss entsprechend versuchen, das lippensynchron hinzukriegen. Was anderes ist es, wenn man in einem Trickfilm eine Figur synchronisiert, die nicht menschlich ist, was ich ja auch schon gemacht habe. Da hat man noch größere Freiheiten und kann wirklich alles machen.


-Es ist ja bekanntermaßen so, dass man sich selber nicht so hört, wie man tatsächlich klingt. Irritiert es Sie nach all der Zeit, die Sie schon als Schauspieler arbeiten, immer noch, die eigene Stimme zu hören?

Da gewöhnt man sich dran. Diese Irritation gibt es glaube ich nur ganz am Anfang, wenn man die ersten Filme sieht, wo man mitgespielt hat, oder seine Stimme aufgenommen hört. Irgendwann weiß man ja, wie man klingt, und dann ist es auch nicht mehr überraschend.

-Immer mehr bekannte Schauspieler haben Auftritte in Videospielen. Man denke nur an Kevin Spacey in ‘Call of Duty’ oder Norman Reedus im kommenden ‘Death Stranding’. Andere, wie Nolan North oder der allgegenwärtige Troy Baker, sind durch Videospiele erst bekanntgeworden. Wie schätzen Sie den Wert des Mediums Videospiel als Bühne für professionelle Schauspieler ein?

Ich würde erst mal pauschal sagen, dass man sich als Schauspieler gerne ausprobiert. Das ist ja das, was ich an dem Job so liebe. Dass ich viele verschiedene Sachen ausprobieren kann, dass ich jetzt nicht nur auf der Bühne oder vor der Kamera stehen muss. Dass sich in letzter Zeit so viele Beschäftigungsfelder aufgetan haben, finde ich toll! Man probiert ja gerne Neues aus und ich habe noch nie ein Videospiel synchronisiert. Deswegen war ich sofort begeistert, als ich gefragt wurde. Klar, es ist eine Herausforderung, aber die besteht wie gesagt hauptsächlich darin, eine Figur nur über die Stimme zu erschaffen.

-Haben Sie denn Erfahrung mit Videospielen?

Nicht so viel. Ich habe früher ab und zu gespielt. Jetzt hab ich sehr wenig Zeit. Die Videospiele gehen ja häufig auch ein bisschen länger. Aber ‘Battlefield 1’ spiele ich natürlich, wenn es am 21. Oktober rauskommt. Da bin ich einer der ersten!



-Wir hoffentlich auch. Verraten Sie uns doch bitte noch, nach welchen Kriterien Sie sich im Allgemeinen ihre Rollen aussuchen?

Ich finde gebrochene Figuren immer spannender als Heldenfiguren. Helden finde ich meistens ein bisschen eindimensional, weswegen ich auch jederzeit lieber die negativen Rollen als die positiven spiele. Die sind oft spannender. Doch im Großen und Ganzen ist es eine Kombination von Dingen. Man schaut als Schauspieler auch immer darauf, wer der Regisseur ist und wer die Kollegen sind. Im Endeffekt ist es ja Teamwork und man kann nur so gut sein, wie die ganze Gruppe ist. Von daher ist es wirklich so ein Mix.
 
-Gibt es im Umkehrschluss Rollen, die zu spielen Sie sich kategorisch weigern würden?

Ja, wenn ich die Rolle langweilig finde. Es gibt gute Drehbücher und es gibt schlechte Drehbücher. Per se gibt es jetzt zwar keine schlechten Rollen, doch welche, die eindimensional geschrieben sind. Und dann interessiert es mich nicht. Es muss innerhalb des Drehbuchs oder der Geschichte eine Entwicklung geben. Die Figur muss sich – wie auch immer – entwickeln und man muss am Ende als Zuschauer etwas über die Figur erfahren haben, was man zuvor nicht gewusst hat.

-Stehen die Chancen also gut, Sie wieder in einem Videospiel zu hören oder vielleicht auch mal zu sehen?

Das schließe ich nicht aus! Ja klar, also wenn es ein entsprechendes Angebot gibt, bin ich da gerne dabei.

-Zum Abschluss: Was steht bei Ihnen als Nächstes an?

Was jetzt konkret demnächst kommt, weiß ich noch nicht. Da ist noch nichts richtig spruchreif. Was aber als nächstes erscheint, ist ein Kinofilm, den ich mit Ken Duken gedreht habe. ‘Berlin Falling’, Kens Regiedebüt, und der kommt wahrscheinlich Januar/Februar ins Kino. Ein Roadmovie-Slasher-Thriller, so in der Richtung.

-Klingt auf jeden Fall vielversprechend. Aber zunächst erst mal vielen Dank und auf bald bei ‘Battlefield 1’!