Gefühlt haben wir bisher über kaum ein Spiel im Vorfeld so viel Berichterstattung betrieben wie im Falle von ‘Battlefield 1’. Nicht, weil die Herrschaften von EA uns regelmäßig einen dicken Scheck und ein schickes T-Shirt schicken, sondern weil es einfach so viel zu erzählen gab und uns, so wie zig tausend andere Shooter-Fans dieser Welt, die Vorfreude bereits ab dem ersten Trailer gepackt hat. Nun ist das Spiel endlich da und muss beweisen, was es drauf hat.

Darum geht's:

‘Battlefield 1’ widersetzt sich dem Shooter-Trend der letzten Jahre und dreht die Uhr zurück. Anstatt also erzählerisch auf immer abgefahrenere Sci-Fi-Szenarios zu setzen, wühlt ihr euch nun durch den Dreck der Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges. Das bringt es natürlich mit sich, dass ihr präzise Laserwaffen oder Derartiges vergeblich suchen werdet und mit den technischen Unwägbarkeiten dieser Zeit zurechtkommen müsst. Wer mit Weltkriegs-Shootern und Maschinengewehren, die verziehen wie ein Auto, dem in der Kurve ein Reifen platzt, noch keine Erfahrung hat, der spielt erst mal in Ruhe die Solo-Kampagne. In dieser erlebt ihr dank des Wechselns der Protagonisten vier unterschiedliche Sichtweisen auf den globalen Konflikt. Mal kämpft ihr an der Seite von Lawrence von Arabien hoch zu Ross im Wüstensand, mal stampft ihr gut gerüstet durch die italienischen Alpen oder rettet im Flieger London. Veteranen stürzen sich dagegen sofort in die Online-Gefechte, die Königsdisziplin von ‘Battlefield 1’.

Das ist gut:

Eines gleich vorweg: Das wohl vor allem von ‘Call of Duty’-Jüngern erwartete Server-Desaster, wie wir es zum Start von ‘Battlefield 4’ erleben mussten, blieb aus. Vom Start weg (oder auch früher, dank Early-Access) ging es auf den abwechslungsreichen und traditionell großen Maps mit bis zu 64 Spielern rund. Wie kaum einem anderen Shooter gelingt es ‘Battlefield 1’, taktische Tiefe mit dynamischem Gameplay zu verbinden. Wer kopflos nach vorne stürmt, wird kurz darauf genau das sein, fällt einem Sniper zum Opfer oder gerät ins Bleigewitter eines schwergepanzerten MG-Schützen. Was zählt, sind Übersicht, gute Absprache und ein ruhiger Abzugsfinger an den bockigen Schießeisen. Kein Match der vielen (größtenteils bekannten) Modi gleicht dem nächsten. Eine vermeintlich sichere Deckung könnte im nächsten Moment von den Ketten eines wuchtigen Panzer eingeebnet werden, eine Detonation sich dank des in die Erde gerissenen Kraters als Segen erweisen. Plötzlich aufziehende Nebelbänke rauben Scharfschützen die Sicht, während eine lediglich mit blanken Klingen bewaffnete Kavallerie zu Pferd aus den Schwaden hervorprescht und alles niedersäbelt. Kenner fühlen sich sofort heimisch, aber auch Neulinge dürften dank der intuitiven Steuerung keine Probleme haben. Fans schneller Spiele wie Titanfall müssen dagegen einen Gang zurückschalten, drosselt ‘Battlefield 1’ das Tempo auch im Gegensatz zum direkten Vorgänger doch ungemein.
Auch die Kampagne macht Laune, will erfolgreich mehr sein als lediglich ein ausführliches Tutorial, und erzählt in rund acht Stunden durchaus reflektiert vier Geschichten, die der Krieg schreibt. Über Themen wie Heldentum und Leid, Sinn und Unsinn oder schlicht Leben und Sterben gelingt es den Machern, dem Ersten Weltkrieg eine persönliche, stets bittere Note zu verleihen, ohne alles in patriotischer Soße geschmacklich unkenntlich zu machen. Die prächtige Bombast-Grafik und der fette, glaubwürdige Sound tragen natürlich ihren Teil zur teils arg bedrückenden Atmosphäre des wohl brutalsten Konfliktes der Menschheitsgeschichte bei.

Das ist schlecht:

Leider hat man sich hinsichtlich der Missionsstruktur der Kampagne zu sehr von den Online-Modi inspirieren lassen, so dass man über weite Strecken den Eindruck hat, im Conquest-Modus mit strunzdummen Mitspielern gelandet zu sein. Denn die KI bekleckert sich auch in einem ‘Battlefield 1’ nicht gerade mit Ruhm. Aber das muss sie in einem Online-Shooter mit durchaus netter Kampagne als Dreingabe natürlich auch nicht. Beim Spielen im Netz hingegen treten neben den bewährten Stärken auch alte Schwächen zutage. Abermals sind Sniper gefühlt im Vorteil und das Matchmaking weist euch zuweilen Partien zu, die kurz vor dem Ende stehen. Ansonsten ist es schwer, Anlass zum Meckern zu finden, denn ‘Battlefield 1’ macht seine Sache wirklich gut und führt die Serie nach dem (zu Unrecht) ungeliebten ‘Hardline’ wieder zu alter Stärke.

‘Battlefield 1’ ist ab sofort für Xbox One, Playstation 4 und PC erhältlich.

‘Battlefield 1’ ist ein bombastisch inszenierter Edel-Shooter, der gegen den Strom schwimmt. Die Macher drehen nicht nur die Uhr zurück, sondern drosseln auch das Tempo und ermöglichen Vorzeige-Online-Matches mit enorm viel taktischem Tiefgang. Battlefield-Veteranen fühlen sich sofort zu Hause, während sich Neulinge in der gut erzählten Solo-Kampagne auf die anspruchsvollen Gefechte im Netz vorbereiten.