Wie oft haben wir nun schon den Werdegang von Batman in Film, Fernsehen, Comic und Videospielen erlebt? Wie oft miterleben müssen, dass Bruce Waynes Eltern in einer Gasse erschossen werden? Und doch ist es Telltale Games in der ersten Staffel zu ihrer Interpretation von Batman mit Bravour gelungen, eine wendungsreiche und spannende Geschichte rund um den tragischen Helden von Gotham City zu erzählen, die selbst Kenner der Materie noch zu überraschen vermochte. Und auch die zweite Staffel ist bisher äußerst vielversprechend.

Darum geht’s:

Telltale-typisch ist auch „Batman: The Enemy Within“ mehr animierter Film als Spiel. Im Gegensatz zu anderen bekannten Marken, wie zum Beispiel „The Walking Dead“, kommen hier aber noch die detektivischen Fähigkeiten und diversen Gadgets des dunklen Ritters zum Einsatz, wenn es beispielsweise darum geht, an einem Tatort den Tathergang nachzustellen. Wirklich anspruchsvoll wird es nie, eine gelungene Auflockerung zum telltale‘schen Alltag stellt es aber allemal dar. Ansonsten gilt es vor allem wieder allerlei persönliche und moralische Entscheidungen zu treffen und im schlimmsten Fall zu entschieden, wer lebt und wer stirbt. Eure Entscheidungen aus dem Vorgänger werden übernommen und anhand der Wunden von Bruce und auch Butler Alfred verdeutlicht. Wer neu einsteigt, oder einen Systemwechsel vollzogen hat, kann vor Spielbeginn alle relevanten Entscheidungen nachholen.

Das ist gut:

Das Schöne an einer Interpretation eines vorhandenen Stoffes ist, dass man sich gewisse Freiheiten herausnehmen kann. Das Telltale diese zu nutzen weiß, zeigte sich bereits in der ungewöhnlichen Darstellung von Bruce Waynes Eltern in Staffel 1 – und auch diesmal werdet ihr überrascht sein, wenn mal wieder an Fundamenten des Batman-Universums gerüttelt wird.

In Folge Eins trefft ihr auf den Riddler, der diesmal nicht als schelmischer Blödel dargestellt wurde, sondern als finsterer Psychopath. Das weiß durchaus zu gefallen, noch viel spannender ist aber die Einbindung von John Doe, der bereits in der ersten Staffel als Insasse des Arkham Asylums seinen Einstand feierte und – wie wohl jeder weiß – im weiteren Verlauf zum Joker werden wird.

Ein äußerst spannendes Thema, da dem dunklen Ritter sein nicht minder populärer Erzfeind diesmal nicht einfach nur so vorgesetzt wird, sondern die komplexe Beziehung zwischen den beiden ewigen Feinden in aller Ruhe reifen darf. Doch auch das persönliche Geflecht zu weiteren prominenten Figuren kommt nicht zu kurz. Wir sagen nur Commissioner Gordon, müssen uns aber auf die Zunge beißen, um nicht zu viel zu verraten.

Es sei nur so viel gesagt, dass wir auch nach Folge Zwei nicht mehr abwarten können, wie es weitergeht.

Das ist schlecht:

Damit auch die Action nicht zu kurz kommt, habt ihr in Form diverser Quicktime Events wie gehabt eine Menge Prügelarbeit zu erledigen. Das ist für eine Batman-Geschichte auch ganz gut so, allerdings wirken speziell die Auseinandersetzungen mit dem Riddler teils arg in die Länge gezogen und etwas aufgesetzt.

Mag dies freilich noch Geschmackssache sein, wird uns wohl jeder Recht geben, wenn wir von Telltale verlangen, doch endlich mal ein zeitgemäßes technisches Gerüst auf die Beine zu stellen, bei dem wir von Rucklern und Kantenflimmern verschont bleiben. Im Zuge der aktuellen Staffel ist diesbezüglich aber wohl keine Besserung zu erwarten.

Was die lediglich englische Sprachausgabe betrifft, darf man indes ebenfalls geteilter Meinung sein. Zwar wäre es allmählich mal Zeit für eine deutsche Tonspur, doch die Originalsprecher machen ihre Sache so verdammt gut, dass wir persönlich mit den mittlerweile nachgereichten deutsche Untertiteln vollkommen zufrieden sind.

Die zweite Staffel der telltale‘schen Interpretation des Batman-Stoffes adelt den dunklen Ritter mit einer äußerst spannenden Geschichte, die auch vor mutigen Entscheidungen nicht zurückschreckt. Wenn es den Machern gelingt, das Niveau der ersten beiden Folgen weiterhin zu halten, könnte „The Enemy Within“ die tolle erste Staffel sogar noch toppen.