Die Herrschaften von Ubisoft lernen es einfach nicht. Wie schon zuvor bei Watch_Dogs präsentierte man der Zockergemeinde erst ein Video von Assassin's Creed Unity, bei dem uns die Kinnlade auf die Tastatur fiel, nur um dann letztlich kleinlaut eingestehen zu müssen, dass eine solche Pracht auf den neuen Kisten gar nicht möglich ist. Doch ihr könnt beruhigt sein, das Ergebnis ist immer noch sehr ansehnlich. Paris als neuer Spielplatz für passionierte Meuchler ist auf den ersten Blick grandios in Szene gesetzt, und doch ist nicht alles Gold, was glänzt. Schauen wir doch einfach mal, was hinter der vermeintlich schicken Fassade steckt.

Darum geht's

Paris war nicht immer die Stadt der Liebe. Zum Ende des 18. Jahrhunderts hatte das Volk keine Zeit für Romantik, war es doch im Zuge der Französischen Revolution damit beschäftigt, die Demokratie vielleicht nicht neu zu erfinden, aber immerhin durchzusetzen und somit in Europa ein neues Verständnis für die Volksherrschaft zu schaffen. Dem Adelsstand passte das natürlich überhaupt nicht, weswegen die Stimmung recht aufgeheizt war. Inmitten dieses chaotischen Umbruchs schlüpft ihr in die Rolle des Arno Dorian, der sich nach einer tragischen Kindheit der Bruderschaft der Assassinen anschließt, um herauszufinden, wer für den Mord an seinem Vater verantwortlich ist.

Auf dieser Basis entrollt sich vor euch der für die Assassin's-Creed-Reihe typische Open-World-Teppich, der neben all den Elementen, welche der Spielserie zum Erfolg verholfen haben, auch so manche Neuerung bietet. So zum Beispiel das Beutesystem, das euch immer wieder frische Waffen und Ausrüstungsgegenstände beschert. Diese wirken sich auf die Fähigkeiten eurer Spielfigur aus, sodass ihr rollenspielartig die Attribute Nahkampf, Fernkampf, Schleichen oder Gesundheit je nach favorisierter Spielweise steigern könnt. Neben den Hauptmissionen gibt es wie üblich einen ganzen Schwung interessanter Nebenquests, viel Krams zum Sammeln und natürlich den ganz großen Aufhänger des Spieles: den Koop-Modus. Diese speziellen Missionen folgen einem eigenen, in sich abgeschlossenen Story-Strang und dürfen online mit bis zu drei weiteren Kumpels angegangen werden.

Das ist gut

Wie bereits gesagt: Das Paris in Assassin's Creed Unity ist zunächst mal eine Pracht. Und da man die Dächer endlich von den lästigen Wachen befreit hat, werden selbst Couchpotatoes zu flanierenden Touristen. Einen detailversesseneren Open-World-Tummelplatz gab es noch nie. Und auch die angekündigten spielerischen Veränderungen kommen durchaus zum Tragen. War man in den Vorgängern meist als bestialische Kampfmaschine unterwegs, für die Schleichen bloß ein Hobby darstellt, ist man in Unity als Leisetreter oft besser beraten. Das liegt zum einen daran, dass sich die Kämpfe nun deutlich schwerer gestalten, und ihr nicht mehr so ohne weiteres in der Lage seid, ganze Armeen auszulöschen, sowie am stark überarbeiteten Missionsdesign, das stets mehrere Lösungswege bereithält. Und wo wir gerade dabei sind: Danke! Danke, danke, danke, dass diese dämlichen Belausch-Missionen endlich der Vergangenheit angehören. Und nicht nur das. Tatsächlich liefert Ubisoft diesmal ein gehöriges Maß an Abwechslung und distanziert sich damit deutlich vom generischen Spielablauf der Vorgänger. Das gilt auch für die tollen Nebenquests und die extrem spaßigen Koop-Missionen.

Das ist schlecht

Paris ist nicht nur schick, sondern auch gut getroffen, denn wie in der echten Stadt, wird es immer hässlicher, je weiter man sich vom Zentrum entfernt. Von der Pracht eines Notre Dame ist man in den Randgebieten eine ganze Konsolengeneration entfernt. Enttäuschend auch die Kollisionsabfrage. Rutscht Arno beispielsweise über einen Tisch, werden die darauf stehenden Vasen davon nicht in Mitleidenschaft gezogen. Ihr gleitet einfach hindurch. Dazu gesellt sich ein umfangreiches Bug-Paket, das selbst EA nicht besser hätte schnüren können. Da kommen noch einige Patches auf uns zu.
Das Thema Steuerung war in Assassinenkreisen noch nie besonders beliebt. An sich ist es lobenswert, dass sich Ubisoft diesbezüglich an eine sinnvolle Veränderung herangewagt hat, allerdings funktioniert die Lenkung nicht immer optimal, und Arno macht am Ende viel zu oft dann doch, was er will. Als Fan ist man dieses Manko nun schon gewohnt, was aber so gar nicht geht, ist die Aufdringlichkeit, mit der Ubisoft während des Spieles auf digitale Zusatzinhalte hinweist und damit die ganze mühselig programmierte Illusion zunichtemacht. Um alle gefundenen Kisten im Spiel zu öffnen, müsst ihr euch zwangsläufig bei uPlay und der hauseigenen Begleit-App registrieren. Pfui Ubisoft!

Bildgewaltiges Meuchler-Epos mit einem Hauch Romantik. Ubisofts neuestes Werk überzeugt mit abwechslungsreichen Missionen in einem fantastisch modellierten Paris des 18. Jahrhunderts und einem coolen Koop-Modus. Rüffel gibt es für die vielen Bugs, schwankende Grafikqualität, hakelige Steuerung, die maue Geschichte und das unnötig aufdringliche Geschäftsgebaren.