Wandelt Ubisoft etwa auf EAs Spuren? Gerade mal ein Jahr ist es her, dass mit Assassin's Creed 3 ein vollwertiger Nachfolger zur scheinbar unendlichen Ezio-Saga erschien, da steht mit Assassin's Creed IV: Black Flag auch schon der nächste Teil in den Läden. Ein Jahr, um einen AAA-Titel zu entwickeln? Auf diese Frage hin blickte uns ein Mitarbeiter skeptisch an und konterte mit der Gegenfrage: „Glauben Sie denn wirklich, wir kochen nur auf einer Herdplatte?“
Na dann schauen wir mal, ob's schmeckt.

Darum geht's:

Zum ersten Mal macht die Serie, welche sich in der Timeline bisher konsequent gen Gegenwart bewegte, einen Sprung zurück ins 18. Jahrhundert, wo wir den Glücksritter Edward Kenway treffen. Der Nachname sollte Kennern der Reihe bekannt vorkommen, haben wir es hier doch mit dem Großvater von Connor zu tun, dem Hauptcharakter aus Teil 3. Bis auf den Namen haben die zwei allerdings nicht viel gemein, denn Moral oder Anstand sind Edward eher fremd. Um seine Lebenssituation zu verbessern, (sprich: schnell viel Geld zu machen!) verschreibt er sich der Freibeuterei. Als das Schiff, auf dem er als Ruderer angeheuert hat, während eines Angriffes versenkt wird, rettet sich Edward auf eine Insel, wo er auf einen Assassinen trifft, der auf der generischen Schaluppe nach Havanna zu reisen hoffte. Der erstaunlich begabte Edward verfolgt und erledigt den werten Herren in einer Tutorial-Mission und eignet sich in Erwartung großen Reichtums dessen Habseligkeiten und Identität an. Von da an verselbstständigen sich die Ereignisse, und Edward wird nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Gier bald zum Spielball im ewigen Konflikt zwischen Templern und Assassinen.

Das ist gut:

Wer Assassin's Creed kennt, braucht keine 10 Minuten und ist wieder voll drin. Ubisoft ging keine Risiken ein und bietet Fans mehr von dem, was sie erwarten. Abermals gilt es mit Havanna, Nassau und Kingston drei Städte zu Fuß zu erkunden. Hinzu kommen diesmal aber noch der riesige Ozean und dessen unzählige Tropeninseln und Dörfer. Denn wie es sich für ein waschechtes Piratenabenteuer gehört, sind wir auf einer Brick daheim, unserem Schiff, der Jackdaw. Was im dritten Teil lediglich eine Reihe an Nebenmissionen darstellte, wird nun zum zentralen Spielelement erhoben. Heuert eine Crew an, kapert schwer beladene Handelsschiffe, sucht nach Schätzen, jagt Wale, lasst die Seeleute Shantys singen und rüstet euer Schiff auf. Im Laufe der Zeit verbessert ihr die Kanonen, installiert Mörser, erwerbt einen Rammsporn und verstärkt euren Rumpf, so dass ihr es bald mit einer ganzen Militärflotte aufnehmen könnt. Was im Vorgänger abseits der Haupthandlung überraschend viel Spaß machte, funktioniert auch in Black Flag so gut, dass man sich zu Lande fast schon unwohl fühlt.

Einen besonderen Lob verdient die akustische Untermalung. Neben prominenten und vor allem professionellen Sprechern begeistern von der Crew geträllerte Shantys und in Tavernen vorgetragenes zeitgenössisches Liedesgut. Auch das neu implementierte dynamische Wettersystem weiß zu gefallen, und lässt schon mal urplötzlich einen tosenden Sturm über uns hereinbrechen, was auf dem Meer natürlich mehr Dramatik entfaltet, als auf zu Lande.

Das ist schlecht:

Während AC 3 mit unverbrauchtem Setting und neuen Ideen frischen Wind in die Sache brachte, stellt Black Flag gewissermaßen wieder einen Rückschritt dar. Trotz neuem Charakter und Karibikflair wirkt alles extrem austauschbar, so als habe Ubisoft einfach nur die Texturen geändert. Alles, was an Land geschieht, haben wir bereits zigmal erlebt, und ob wir nun eine Palme oder eine Tanne emporklettern, macht da keinen großen Unterschied. Auch in dramaturgischer Hinsicht kann Teil Vier nicht mal ansatzweise mit der grandios erzählten Geschichte des Halbindianers Connor mithalten. Unterm Strich steht somit der Verdacht, dass Ubisoft aufgrund deren Beliebtheit flott ein ganzes Abenteuer um die spannenden Seeschlachten gestrickt hat. Originell ist das nicht, Spaß macht das Leben als Pirat aber dennoch, erst recht wenn es dabei so dermaßen viel zu tun gibt, wie in Black Flag.

Feuchtfröhliche Fortsetzung der Reihe, die sich auf die beliebten Seeschlachten des Vorgängers stützt. Das grundsätzliche Spielprinzip und die Optik haben mittlerweile zwar etwas Rost angesetzt, dafür überzeugen prominente Sprecher, Musik und die riesige Spielwelt umso mehr.