Bei dem Gedanken an Online-Shooter kommen einem fast unweigerlich bis an die Zähne bewaffnete Soldaten in den Sinn, Kriegsszenarien, in denen erdige Farbtöne dominieren und hochkonzentrierte Pro-Gamer mit verbissenem Gesichtsausdruck. Dann kam Nintendo mit dem Gute-Laune-Shooter 'Splatoon' daher und verpasste dem sonst so ernsten Genre frech einen knallbunten Anstrich. Denkt man dann an Prügelspiele, hat man zunächst muskelbepackte Hünen und prall bebrüstete Amazonen mit fiesem Blick vor Augen, die sich im Nahkampf gegenseitig an die Gurgel gehen. Doch mit dem neuen Switch-Beat-'em-up 'Arms' zeigt sich abermals, dass kaum einer Genrekonventionen so gekonnt aufbrechen kann wie Nintendo!

Darum geht's:

Fans von 'Street Fighter', 'Tekken' und Co. müssen umdenken, denn die Kämpfe in Arms werden nicht in der klassischen Seitenperspektive ausgetragen. Stattdessen blickt ihr eurem Recken über die Schulter und lasst dabei im wahrsten Sinne des Wortes die Fäuste fliegen.

Jede der zehn spielbaren Figuren verfügt über spiralförmige Arme, die auf Knopfdruck meterweit ausgefahren werden können und bei Bedarf sogar eine kurvige Flugbahn beschreiben. Das bedeutet, dass die Opponenten nicht zwangsläufig direkt voreinander stehen müssen, um sich gegenseitig einzuheizen, sondern munter aus der Distanz aufeinander eindreschen können. Ausweichsprünge und Blocks gehören ebenso zum eingängigen Kampfsystem wie aufladbare Superschläge und durchschlagskräftige Spezialangriffe.

Mit einer von drei möglichen Steuerungsoptionen tretet ihr im „Grand Prix“ getauften Solomodus nacheinander gegen zehn (ab Schwierigkeitsstufe 4 gegen elf) Computergegner an, messt euch lokal oder online mit bis zu drei weiteren Spielern oder tobt euch in diversen Minispielen aus.

Das ist gut:

Eine neue Marke mit Nintendo-Stempel ist per se schon mal immer was Gutes. Und so trifft die quietschbunte Optik einmal mehr wieder voll den Nerv all jener, die auch nur ansatzweise ein Herz für das locker-flockige Design haben, für welches der Mario-Konzern so berühmt ist. Zumal auch auf technischer Seite alles stimmt und in Sachen Grafik auf der Switch keine Wünsche offenbleiben.

Viel entscheidender ist aber natürlich das Gameplay. Doch auch hier beweist Nintendo mal wieder eine fast schlafwandlerische Treffsicherheit. Wir hatten 'Arms' tatsächlich kaum auf den Schirm und irgendeinen Casual-Fuchtelsteuerungs-Titel erwartet. Aber tatsächlich erweist sich das überschaubare und schnell verstandene Kampfsystem nach einer gewissen Einarbeitungszeit als erstaunlich komplex.

Welche der drei Steuerungsmethoden ihr dabei bevorzugt – Pro-Gamepad, Joy-Cons als Controller oder via Bewegungsteuerung – ist reine Geschmackssache, denn selbst Letztere funktioniert erfreulich gut. Eines ist aber sicher: Button-Masher werden gegen Könner kein Land sehen!

Nehmt euch also ruhig etwas Zeit, die Eigenheiten der verschiedenen Figuren kennenzulernen, welche sich nicht nur in Attributen wie Geschwindigkeit, Angriffskraft und Standfestigkeit unterscheiden, sondern auch jeweils über eine eigene Spezialfähigkeit wie Dreifachsprung, Teleportation oder Verlangsamung der gegnerischen Attacken verfügen.

Des Weiteren kommt der Wahl, welche zwei Handschuhe ihr ins Feld führt, eine kampfentscheidende Bedeutung bei. Derer gibt es nämlich insgesamt 30, die alle über individuelle Fähigkeiten verfügen. Allerdings wollen die Teile zunächst in einem speziellen Modus verdient werden, für den ihr euch mit der in Kämpfen erworbenen spielinternen Währung Spielzeit erkauft. Klingt womöglich etwas kompliziert, ist jedoch gut verpackt und macht wie das gesamte Spiel unerwartet viel Spaß!

Das ist schlecht:

Habt ihr allerdings alle Handschuhe eingesackt und euch an den Figuren und Arenen sattgesehen, sackt die Motivationskurve rapide ab. Insgesamt hat 'Arms' einfach zu wenig Inhalte zu bieten und damit ähnlich wenig Fleisch auf den Rippen, wie 'Splatoon' in seiner Anfangszeit. Der Farb-Shooter ist zwar mittlerweile ordentlich gewachsen, so wie es 'Arms' im Laufe der Zeit wohl auch tun wird, dennoch ist es schade, abermals zum Start eines Titels an einer so kurzen Leine gehalten zu werden.

Besonders ärgerlich: In Sachen Online-Multiplayer lässt Nintendo in den Modi „Standardkampf“ und „Ranglistenkampf“ nicht die Wahl favorisierter Voreinstellungen zu. Weder lassen sich die manchmal in der Arena auftauchenden Items – wie zum Beispiel Bomben – deaktivieren, noch darf man frei aus den Kampfarenen wählen oder entscheiden, in welchem Spielmodus man antritt. Eine Unsitte, die man sich im Hause Nintendo dringend wieder abgewöhnen sollte!

'Arms' ist ab sofort exklusiv für die Nintendo Switch erhältlich!

Prügelspiel mal anders! 'Arms' ist eine originelle Interpretation des Beat-'em-up-Genres mit Nintendo-Kreativitätssiegel. Das Spielprinzip ist schnell verstanden, bietet dennoch überraschend viel Tiefe und macht vor allem richtig viel Laune. Leider wird inhaltlich (noch) zu wenig geboten.