Das ist gut/schlecht:

Sogar die Autowerkstätten, die eure heiße Kiste beim Durchfahren neu lackieren, um den Fahndungslevel zu senken, sind mit an Bord. Da wir es in letzter Zeit eher selten mit Topdown-Sandbox-Spielen in einem 80er Jahre Action-Setting zu tun hatten, empfinden wir dies jedoch nicht als dreisten Ideenklau, sondern eher als erfrischende und wohlig nostalgische Hommage. Zumal „American Fugitive“ durchaus mit eigenen Ideen aufwarten kann.

Eine davon stellt der Kleiderwechsel dar. Da die Polizei nicht bloß nach bestimmten Autotypen sucht, sondern auch anhand eures Aussehens nach euch fahndet, ist es sinnvoll, immer mal wieder die Klamotten zu wechseln. Mopst diese entweder von der nächsten Wäscheleine, selbst wenn an dieser Frauen-Kleider hängen, oder geht ganz einfach shoppen. Alternativ könnt ihr die Läden auch Ausrauben, was jedoch das Risiko birgt, dabei gestellt zu werden.

Jenes könnt ihr aber bis zu einem gewissen Grad senken, indem ihr verdiente Erfahrungspunkte in einem Fertigkeitenmenü investiert, über das ihr beispielsweise auch euer Inventar vergrößert, eure maximale Gesundheit steigert oder eure fahrbaren Untersätze haltbarer macht, die zu Beginn doch arg anfällig sind und rasch explodieren. Wie gut, dass ihr jederzeit per Telefon gegen eine kleine Gebühr beim Autohändler Nachschub ordern könnt. Auch Waffen lasst ihr euch dergestalt ganz bequem liefern.

Um euer Konto nach dem Einkauf aufzubessern, steht es euch frei, jederzeit in Wohnhäuser einbrechen. Habt ihr den Besitzern nicht zuvor den Schlüssel gestohlen, schlagt dazu einfach mit Brecheisen, Hammer oder einen Stein das Fenster ein oder verschafft euch Zutritt, indem ihr die Tür eintretet. Dann schaltet das Spiel auf eine Grundrissansicht des Gebäudes und lässt euch jedes Zimmer durchsuchen. Allerdings dauert das eine gewisse Zeit und es läuft auch noch ein Counter herunter. Ist dieser bei Null, wird das Haus von den Cops umstellt. Überlegt euch also gut, ob ihr wirklich alle Zimmer plündern wollt. 

Generell hat man es als Leisetreter mitunter deutlich leichter, da die aufmerksamen Bürger von Redrock County nicht davor zurückschrecken, euch bei jeder Kleinigkeit die Polizei auf den Hals zu hetzen, was mitunter etwas nerven kann. Glücklicherweise sind die Gesellen bei einem niedrigen Fahndungslevel aber nicht besonders helle, so dass ihr bis zur nächsten unweigerlichen Kollision mit einem Auto sicher seid.

Die Steuerung der Fahrzeuge macht es einem nämlich nicht leicht, sich an die StVO zu halten, und erfordert viel Eingewöhnung, um zumindest halbwegs in der Spur zu bleiben.Chaos ist also vorprogrammiert, was bis zu einem gewissen Grad von den Machern aber wohl genauso gewollt ist. Zumal es ja auch Spaß macht, wie ein Henker durch die Stadt zu heizen, wie die Dukes über Sprungschanzen zu springen und durch reihenweise Zäune zu brettern. Auch wenn die Bildrate der von uns getesteten Switch-Version gerne mal ins Stottern gerät, wenn viel auf dem Bildschirm los ist.

Weniger gefallen hat uns die Präsentation der Story, die über Dialogsequenzen mit recht undynamischen Comic-Bildchen erzählt wird. Dafür sind aber die Texte kompetent geschrieben und auch der Südstaaten-Sound passt gut zur allgemeinen Stimmung, wenngleich ein paar Radiosender mit schmissigen Songs aus den 80ern natürlich deutlich cooler gewesen wären.

Leider kam es im Zuge unserer Testsession immer wieder zu Abstürzen, was insbesondere mit Blick auf die lange Ladezeit am Anfang extrem nervt. Allerdings wurde jüngst ein Patch nachgeschoben, der Abhilfe schaffen soll. Hoffen wir also, dass „American Fugitive“ in der aktuellen Version runder läuft.

Actionreiche Gangster-Ballade mit Old-School-Charme und einer gehörigen Prise „GTA“. „American Fugitive“ reichert das bewährte Topdown-Konzept dabei gekonnt mit eigenen Ideen an und präsentiert sich trotz technischer Schwächen selbstbewusst als eine gelungene und äußerst unterhaltsame Hommage ans große Vorbild.

„American Fugitive“ ist für Playstation 4, Xbox One, PC und Nintendo Switch erhältlich.