Sogenannte "Helden-Shooter" sind derzeit schwer angesagt. Die Team-Ballerei 'Overwatch' zählt wohl zu den prominentesten Vertretern dieser Gattung. Anstatt irgendwelche 08/15-Krieger ins Feld zu schicken, zeichnet sich der Titel durch einen ikonischen Kader an spielbaren Figuren aus, die in ihrer Charakterzeichnung einem storybasierten Singleplayer-Spiel prima zu Gesicht stünden. Und genau das ist dann auch der größte Kritikpunkt an einem Kracher wie 'Overwatch', der eine Kampagne für Solisten schmerzlich vermissen lässt. Der Entwickler der rotzfrechen 'Saints Row'-Reihe möchte diese Lücke aber nun schließen und wagt dazu mit dem brandneuen 'Agents of Mayhem' einen Neustart.

Darum geht's:

Bei 'Agents of Mayhem' handelt es sich um einen Open-World-3rd-Person-Shooter, der in einem futuristischem Seoul spielt. Dabei hat man sich des Ballastes der Saints Row-Reihe entledigt, welche sich in Sachen Story in eine Sackgasse manövriert hat. Von daher spielt der aktuelle Titel in einer Art Paralleluniversum, lässt es sich aber nicht nehmen, kleinere Anspielungen auf die Vorgänger im Geiste einzuflechten.

Und so wird Fans wohl auch  Persephone Brimstone, die Chefin der namensgebenden Organisation M.A.Y.H.E.M. (Multinational AgencY Hunting Evil Masterminds) bekannt vorkommen. Diese rekrutiert  im Laufe des Spieles zwölf durchgeknallte Kämpfer für das Gute, um die Bösewichte von L.E.G.I.O.N. (the League of Evil Gentlemen Intent on Obliterating Nations) daran zu hindern, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Klingt arg nach dem Plot diverser 80er-Jahre-Spielzeugreihen – und genau das will sie auch sein! Denn allzu ernst solltet ihr die Story beim besten Willen nicht nehmen!

Das ist gut:

Obwohl Seoul als Spielwiese nicht die Ausmaße eines Steelport aus 'Saints Row' erreicht, gibt es auch hier mehr als genug zu tun. Da wären zum einen die charakterbasierten Missionen, die mit wunderbar altmodischen Zeichentricksequenzen ihre Geschichte erzählen, und dazu dienen, euch die individuellen Fähigkeiten der Figuren näherzubringen.

Darunter finden sich so illustre Persönlichkeiten wie der deutsche Hooligan Ingo "Red Card" Rotkapp, seines Zeichens Ultra-Fan des FC Rüdesheim und heimlicher Verehrer einer Zeichentrickserie für Mädchen, der sich auf die Suche nach entführten Fußballspielern macht. Oder die verkaterte Rockabilly-Braut Daisy, deren dreckiges Mundwerk so manchem Bauarbeiter die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, und die in bester 'Hangover'-Manier versucht, eine feuchtfröhliche Nacht zu rekonstruieren. Nut eben mit einer Minigun in Händen.

Dann wären da natürlich noch die unzähligen Haupt- und Nebenmissionen, im Zuge derer ihr in Dreierteams ausrückt. Dabei dürft ihr stets eure aktive Figur wechseln, um bei Bedarf auf die aktuelle Situation angemessen reagieren zu können. Es versteht sich schließlich von selbst, dass es mal eines Haudraufs wie "Hardtack" mit seiner auf kurzer Distanz schlagkräftigen Pumpgun bedarf, während an anderer Stelle die Bogen schießende Scharfschützin "Rama" die besser Wahl darstellt. Zudem bieten individuelle Spezialfähigkeiten, wie Lähmung der Gegner oder Unsichtbarkeit, weiteren Spielraum für allerlei taktische Sperenzchen. Und wer das ganz große Feuerwerk abbrennen will, zündet – einen gefüllten Balken vorausgesetzt – eine der mächtigen Mayhem-Attacken.

Das Ganze wird dabei als buntes Action-Chaos in Comic-Look präsentiert, der dem bewusst übertriebenen Treiben wie auf den Leib geschneidert ist. Gleiches gilt für den teils recht derben Humor, der sicherlich nicht jedermanns Sache ist, aber uns zumindest mit seinen vielen Anspielungen auf die Popkultur und seinem pubertärem Charme immer wieder ein Grinsen ins Gesicht gezaubert hat.

Neben der Zusammenstellung eurer favorisierten Heldentruppe bietet euch das Spiel außerdem unzählige Möglichkeiten der Individualisierung, sowohl in optischer Hinsicht als auch was die Entwicklung der Fähigkeiten betrifft. Zudem könnt ihr aus nicht weniger als 15 (!) unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden wählen, was sich am Ende der Mission auf die Menge an verdienten Erfahrungspunkten und Moneten auswirkt. Zu tun gibt es also mehr als genug!

Das ist schlecht:

Schade nur, dass 'Agents of Mayhem' an einer weit verbreiteten Open-World Krankheit leidet: einer arg repetitiven Missionsstruktur. Soll heißen, dass es auf Dauer an Abwechslung mangelt und ihr im Kern immer wieder das Gleiche macht, Zielpunkt um Zielpunkt abgrast und alles wegballert, was euch vor die Flinte kommt. Die Originalität der charakterspezifischen Aufträge wird im Laufe der Haupt- und Nebenmissionen leider zu keinem Zeitpunkt erreicht.

So gleichen sich die auszuräuchernden Legion-Verstecke teils wie ein Ei dem anderen, was dazu führt, dass das an sich recht dynamische Spielgeschehen unnötig gestreckt wirkt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Gegner-KI auf Masse statt Klasse setzt, während das Verhalten der Zivilbevölkerung von Seoul am ehesten dem strunzdummer Lemminge gleicht. Schade auch, dass die eigentlich schicke Umgebung insgesamt äußerst steril ausfällt und eine glaubwürdige Interaktion vermissen lässt.

'Agents of Mayhem' ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und PC erhältlich!

Ein Dutzend durchgeknallte Helden lassen es gewaltig krachen! 'Agents of Mayhem' präsentiert sich als knallbunter und rotzfrecher Krawall-Shooter, der durch seine ikonischen Spielfiguren viel Freiraum für individuelle Spielweisen lässt. Die grandiose Zeichentrick-Inszenierung im Stil von 80er-Jahre-Cartoons und der bissige Humor können die mangelnde Abwechslung im Spielverlauf auf Dauer jedoch nicht gänzlich kompensieren.