Der Eckball – welcher Fußballfan hat da nicht den einen oder anderen Favoriten oder eine Anekdote, welches der Ecken-Manöver ihn begeistert hat? Wie bitte? Kaum jemand? Stimmt, es mögen spektakuläre Szenen dabei gewesen sein, aber die Torausbeute fühlt sich immer irgendwie niedrig an. Ein russischer Nutzer des Internetforums „Reddit“ würde dem wohl zustimmen. Er ist überzeugt: Ecken sind komplett nutzlos. Er steht mit seiner Meinung nicht allein – und kann sie wissenschaftlich begründen.

Der Amateur-Wissenschaftler mit dem Online-Namen „hessusavas“ hat sich in seiner Freizeit mit einem Buch über Sportstatistiken auseinandergesetzt. Das hört auf den Namen „The Numbers Game: Why everything you know about soccer is wrong“ (zu dt. in etwa: „Das Zahlenspiel: Warum alles falsch ist, was du über Fußball zu wissen glaubst“) und wurde von zwei Statistikern verfasst. Die haben in ihrem Werk unter anderem 1434 Ecken untersucht – und kamen zu dem Ergebnis, dass bloß zwei Prozent davon zu einem Tor führten.

Darauf aufbauend verfasste „hessusavas“ eine Studie, die ihr hier findet. Darin analysierte der Hobbyforscher satte 11234 Spiele mit 115199 Eckbällen jeder Variante aus den letzten vier Jahren: Von Bananenflanken über kurze Ecken bis hin zu den Eckbällen, die vom Gegner abgefangen und vorwärts gedroschen wurden. Das Resultat von „hessusavas“ Untersuchung: Es sind sogar nur 1,27 Prozent aller Ecken, die in einem Tor gipfeln. Stattdessen – und noch verheerender – sorgen mehr als die Hälfte der Eckbälle dafür, dass der Gegner in den Ballbesitz gelangt, was für sich spricht.

Den Rest der Ergebnisse findet ihr unten in Kurzform. Weitere miese Eckbälle findet ihr übrigens im Video – ein beredtes/bewegtes Zeugnis, dass an „hessusavas“ Befunden etwas dran ist. Sein Fazit: „Direkte Ecken sind meist sinnlos. Und manchmal sogar gefährlich. Außer, du bist West Bromwich.“ (S. u.) Zum Tor würden daher eher kurze Ecken oder Ecken-Varianten führen, mit denen der Gegner nicht rechnet – alles andere resultiere darin, dass das Team wahrscheinlich den Ballbesitz verliert.

  • Er untersuchte 30812 Tore in 34 Ligen, darunter Premier League, Champions League, Bundesliga, aber auch eine WM sowie zwei Europameisterschaften: Nur vier Prozent der Tore, 1459 Stück, waren die Folge einer Ecke.
  • Der FC Bayern führt als Eckenschütze in der Bundesliga mit 7,18 Ecken pro Spiel – doch nur alle 80 Eckbälle trifft einer, weniger als ein Prozent Tore gesamt. „hessusavas“ dazu: „Zögert nicht, zu rauchen oder zu pissen, wenn die Bayern ihre Ecken ausführen.“
  • Die besten Eckenschützen sind Teams aus dem unteren Tabellenmittelfeld: Mainz 05, Vfl Wolfsburg, FC Middlesborough. Ausnahme: Real Madrid mit 2,69 Prozent aller versenkten Eckbälle.
  • Bester Eckenschütze überhaupt: West Bromwich Albion mit fast einem Viertel der Tore via Eckball in den letzten zwei Jahren. „hessusavas“ resümiert: „Hinten sicher stehen. Und vorne ein einziges dummes Tor zum Sieg schießen.“
  • Absolute Ecken-Versager: FC Barcelona, Borussia Dortmund, Chelsea sowie OGC Nizza.
  • Jede Mannschaft schießt im Schnitt 5,13 Ecken pro Spiel – der Fan muss also satte 15,4 Spiele warten, ehe sein Team ein Eckball-Tor versenkt.

Quelle: 11freunde.de