Selten war die Bezeichnung „Todesgruppe“ zutreffender als für diese Gruppe D, in der die drei Landesmeister Ajax Amsterdam, Manchester City und Real Madrid den BVB zum Tanz baten. Und wenig Anlass gaben zur Hoffnung, die Borussen würden endlich auch auf internationalem Parkett begeistern. Doch Klopps Truppe bewies, dass sie das Lehrgeld der letzten Jahre bestens angelegt hatte. Ungeschlagen verwies der BVB zuerst Europas Spitzenclubs auf die hinteren Plätze und kämpfte sich anschließend mit Leidenschaft und dem Glück des Tüchtigen bis ins Finale.

"Wir können nur dramatisch"

Egal, wie der Gegner hieß, auf eines konnte man sich verlassen: „Wir können nur dramatisch“, wie es BVB-Häuptling Watzke auf den Punkt brachte. Das Achtelfinale gegen Schachtjor Donezk war noch das reinste Entspannungsbad gegen das, was später folgen sollte. Das Hinspiel endete etwas glücklich mit 2:2, im Rückspiel wurden die Ukrainer mit 3:0 aus dem Signal Iduna Park geschossen.

Mit dem FC Malaga bekam der BVB anschließend das vermeintlich schwächste der noch verbleibenden Teams zugelost. Aber schon das 0:0 im Hinspiel machte deutlich, dass das Weiterkommen kein Selbstläufer werden würde. Doch der pure Wahnsinn, der sich im Rückspiel in Dortmund abspielte, fand als moderner Mythos seinen Weg in die Fußballhistorie. Nachdem Lewandowski die Führung der Spanier egalisiert hatte, drängte der BVB vom frenetischen Publikum angepeitscht nach vorne. Dann aber stieß Eliseu nach 82 Minuten mit seinem Treffer zur 2:1-Führung mitten hinein ins schwarzgelbe Herz.

Wer jetzt allerdings schon mit hängenden Köpfen das Stadion verließ, verpasste das größte Fußballdrama seit dem Endspiel `99. Erst traf Reus in Minute 91 zum Ausgleich, dann stocherte Santana den Ball zwei Minuten später zum sensationellen 3:2 ins Tor. Dass dabei gefühlte zwanzig Mann im Abseits standen – wen interessiert‘s? Der Borussentempel erbebte in seinen Grundfesten, als sich 65.000 Zuschauer einer kollektiven Ekstase hingaben.

Weidenfels und Lewangoalski

Im Halbfinale wartete erneut Real Madrid, das auf Wiedergutmachung für die Vorrunden-Schmach hoffte. Doch das königliche Säbelrasseln nütze nichts, der BVB nahm Ronaldo & Co. zuhause mit 4:1 auseinander. Vor allem Lewandowskis Viererpack sorgte dafür, dass sich einen Tag nach Bayerns Barcelona-Demontage die deutsch-spanischen Machtverhältnisse mit einem Paukenschlag umkehrten. Im Rückspiel wurde es nach zwei späten Gegentoren und fünfminütiger Nachspielzeit zwar noch einmal spannend, doch der BVB rettete dank Weidenfellers Glanzparaden das 0:2 über die Zielgerade. Es war die erste Niederlage für Dortmund im laufenden Wettbewerb – und sicher die freudigste, die der BVB je erleiden musste.

Susi Zorc hatte es gesagt: 1997 war der BVB durchaus glücklicher ins Finale eingezogen. Die Bayern spielen sicher eine Ausnahmesaison, doch mit einem BVB in Topform wird das Finale eine ganz enge Kiste.