Der Ligaverband DFL hat ein Strategiepapier entworfen, in dem tiefgreifende Veränderungen umrissen werden – die Bundesliga soll durch diese konkurrenzfähiger werden und den europäischen Topligen die Stirn bieten können. Betroffen sind: die DFB-Struktur, die TV-Finanzen und der DFB-Pokal. Sechzehn Seiten umfasst der Entwurf, der mittlerweile 36 Profivereinen zur Einsicht übermittelt worden sein soll.

Hauptverantwortliche des Papiers sollen Peter Peters, Vizepräsident des Ligaverbands, sowie 16 Bundesligavereine sein. Die DFL findet beruhigende Worte anlässlich dieses Geheimplans, spricht von einem „unverbindlichen Gedankenaustausch“: „Konkrete Handlungsaufträge oder gar Entscheidungen waren nicht Ziel des Austauschs“, so der Ton einer offiziellen Mitteilung. Die Punkte im Einzelnen:

Veränderungen im DFB-Pokal

Laut Berichten der Bild soll künftig die Verfahrensweise im DFB-Pokal verändert werden, um so die Europacup-Starter zu entlasten. Dabei beinhaltet die Reform zwei Vorschläge für Anpassungen:

Variante eins lässt in der ersten Runde nur elf Bundesligavereine sowie 18 Zweitligisten und 71 Amateurclubs an den Start – insgesamt also 100 Vereine, statt, wie momentan üblich, sämtliche Vereine antreten zu lassen. 50 dieser Vereine ziehen danach in die nächste Runde ein. Nach einer weiteren Runde verbleiben dann nur noch 25 Vereine, dann kämen die Teilnehmer der internationalen Wettbewerbe und somit auch der deutsche Meister hinzu.

Variante zwei lässt sämtliche Zweitligisten und 58 Amateurvereine an den Start – zu den 38 Gewinnern dieser Paarungen kommen dann zehn Bundesligisten hinzu. Eine Runde später folgen sieben international spielende Vereine sowie der Titelverteidiger. Der Verband erkennt an, dass "erst ab der Saison 2019/20 Veränderungen möglich sind", da die Verträge bis 2019 noch Gültigkeit haben.

Fernsehgelder

Die Bundesliga soll auch in Sachen TV-Übertragungen international fit gemacht werden – momentan entfallen 20 Prozent der Einnahmen (142 Millionen Euro) aus TV-Übertragungen an die Zweite Liga. Der Vertrag, der diese Einnahmenverteilung regelt, läuft jedoch 2017 aus.

Der Ligaverband zu diesen Entwürfen: „Tenor des Treffens war es nicht, die Solidarität zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga grundsätzlich infrage zu stellen. Die Entscheidung über das künftige Verteiler-Modell trifft der Ligavorstand.“

Ein neuer Vertrag könnte in einer dieser drei Varianten umgesetzt werden:

  1. Die Einnahmen aus Fernsehübertragungen werden auf eine Milliarde Euro erhöht – die Zweite Liga behält ihre 20 Prozent, was dann immerhin 200 Millionen Euro wäre. Bild stuft diese Variante als unrealistisch ein.
  2. Auch hier steigen die Einnahmen auf eine Milliarde, doch die Summe für die Zweite Liga wird bei 142 Millionen gedeckelt. Damit erhielten die Zweitligisten nur noch 14 Prozent.
  3. Die Zweite Liga erhält mindestens immer 15 Prozent der Erlöse, ansonsten ist ihre Beteiligung aber flexibel – steigen die Einnahmen, so steigt auch der Anteil der Zweiten Liga im Verhältnis dazu.

DFB-Reformen

Der Deutsche Fußball-Bund soll professioneller werden. Der wirtschaftliche Arm des Bundes soll in einer GmbH zusammengelegt werden – etwas, das schon im Gange ist: Marketing, Rechtemanagement und Sponsoring des DFB-Pokals liegen somit in Händen dieser DFB GmbH. Um dieses Unternehmen noch mehr zu professionalisieren, nimmt man sich ein Vorbild an wirtschaftlich operierenden Konzernen. So soll die Geschäftsführung nach klassischen Modellen erfolgen: Ein Geschäftsführer soll ebenso ernannt werden wie Bereichsdirektoren – all das unter der Supervision eines Aufsichtsrates.

Mann.tv findet:

Gerade die Veränderungen in Sachen DFB-Pokal – sollten sie so umgesetzt werden – sind ein Skandal. Diese Pokalspiele sind für viele Amateurvereine der größte Zahltag des Jahres. Sie müssen sich vorher in harten Regionalturnieren durchsetzen, um überhaupt in der ersten Runde teilnehmen zu dürfen und dann so etwas. Sollten die Bundesligisten nämlich erst in der zweiten Runde – beziehungsweise der deutsche Meister und international spielende Teams sogar noch später(!) – dazustoßen, so verkommt das Ganze zu einer Farce. Der Reiz, dabei zuzusehen, wie der kleine Underdog-Verein aus Pusemuckel manchmal einen Titanen geschlagen vom Rasen schickt, und durch solch ein Turnier auch noch mal eben seine Finanzen saniert, wäre wohl für immer dahin.

Da können wir den DFB-Pokal ja gleich so abändern, dass man schlicht Dortmund gegen Bayern im Finale aufstellt – fest und unabänderlich. Oder hey, noch besser: Wir werfen zusätzlich direkt sämtliche Amateure aus dem DFB-Pokal. Das spart Zeit und Geld. Der Sport verkommt damit zwar noch mehr zum Big Business, aber wen stört’s. Ach ja, richtig – die, die den Sport lieben …    

Fotos: Mitch Gunn / Shutterstock.com |

Quelle: Sport1