Die finanzielle Entwicklung der europäischen Fußballvereine hat mittlerweile absurde Ausmaße angenommen. Zweistellige Millionenbeträge als Jahresgehalt für Topspieler. Transfersummen in surrealen Höhen – 94 Millionen für einen Ronaldo, 69 Millionen für einen Ibrahimovic. Kein Preis ist zu hoch für den Erfolg.

Am Ende der Rechnung: Schuldenberge. Fast jeder Spitzenclub in Europa ist bis über beide Ohren verschuldet. Real Madrid steht mit 327 Millionen in der Kreide, Inter Mailand versucht, satte 394 Millionen abzustottern. Manchester United führt die Schuldenliste mit über 800 Millionen Euro an – bei Einnahmen von rund 400 Millionen im Jahr. Satte 15 Vereine stehen in Spanien unter Insolvenzrecht. Schuldenfreie Klubs wie der FC Bayern München sind die absolute Ausnahme im Spitzenfußball.

Das wäre halb so schlimm, wenn die Einnahmen den Schuldenberg zumindest ansatzweise abdecken könnten. Tun sie aber in den meisten Fällen nicht, speziell, wenn der Erfolg ausbleibt. Da stellt sich die Frage, wann diese Blase endlich platzt. Zumal insbesondere in den wirtschaftlich darbenden südeuropäischen Ländern nicht mehr damit zu rechnen ist, dass Vater Staat wohlwollend mit Krediten aushilft und die massiven Finanzspritzen von russischen oder arabischen „Sponsoren“ vielen ein Dorn im Auge sind.

Die UEFA, allen voran Michel Platini, will zum Schutz der Vereine mit dem Konzept des „Financial Fairplay“ (FFP) gegensteuern. Ein Komitee soll künftig darüber wachen, dass bei den großen Klubs wirtschaftlich gearbeitet wird und Schulden vermieden werden. Transfers und Gehälter sollen auf ein vernünftiges Niveau gebracht werden. Das Endziel: Kein Verein soll mehr ausgeben, als er einnimmt. Sollte dies dennoch passieren, gibt es einen Maximalbetrag, der durch Kredite oder Privatinvestoren abgedeckt werden darf. Dieser wird bis 2018/19 stufenweise von 45 bis auf 5 Millionen Euro abgesenkt.

Ein hartes Stück Arbeit für die Vereine, doch bei Nichtbeachtung drohen bereits jetzt Sanktionen. So wurde unter anderem der FC Málaga von der Teilnahme am europäischen Wettbewerb in der Saison 2013/14 ausgeschlossen. Gegen insgesamt 23 Clubs wurden 2012 Sanktionen verhängt aufgrund überfälliger Zahlungen an andere Vereine, Mitarbeiter oder Behörden.

Das FFP ist jedoch nicht ohne Probleme und Kritik. In vielen Vereinen gibt es derart verschachtelte Strukturen, dass eine Kontrolle schwierig wird. Die Rolle von Sponsoren und Investoren ist ein weiteres Streitthema. Auch befürchten einige Kritiker, dass kleinere Vereine keine Aufbauarbeit über Kredite mehr leisten können und den Anschluss verlieren, während andere Klubs durch die Einnahmen im europäischen Wettbewerb zu dominant in den heimischen Ligen werden.

In den nordamerikanischen Sportligen gibt es Financial Fairplay bereits seit Jahren. Zentraler Punkt ist dort ein „Salary Cap“, also eine Begrenzung der Gehälter, die ein Verein an seine Spieler zahlen darf, basierend auf den Vorjahreseinnahmen der Liga. Dadurch wird zum einen die inflationäre Explosion der Gehälter verhindert, zum anderen wird eine finanzielle Ausgeglichenheit der Vereine hergestellt, die dadurch konkurrenzfähig bleiben.

Gerade die aktuelle Champions League hat gezeigt, dass Financial Fairplay wirklich funktionieren kann. Schlussendlich standen nicht Vereine wie Paris St. Germain oder FC Malaga  im Finale, die durch absurde Summen von Sponsoren wie der Qatar Tourist Authority finanziert werden. Stattdessen durften wir Bayern München erleben, die quasi schon ein Vorbild für wirtschaftliches und schuldenfreies Arbeiten sind. Und Borussia Dortmund, die mit viel Geschick und vergleichsweise günstigen Spielern durch die Saison marschiert sind.

Foto: Vitaliy Hrabar / Shutterstock.com | Offizielle Webseite: financialfairplay.co.uk
Quellen: ftbpro.com | Handelsblatt | Transfermarkt | UEFA | Handelsblatt