Es ist geschafft! Die Bayern sicherten sich gestern Abend den DFB-Pokal und schafften damit historisches: Nie zuvor war es einer deutschen Mannschaft gelungen, in einem Jahr sowohl die deutsche Meisterschaft als auch die Champions League und den Pokal zu gewinnen. Da darf man schon mal zünftig feiern!

Doch nach dem Triple ist vor dem Triple: Vor und hinter den Kulissen wird fleißig an den neuen Super-Bayern gearbeitet, mit spektakulären Transfers (Götze, Lewandowski) und der wohl noch viel spektakuläreren Trainer-Neuverpflichtung von Pep Guardiola. Der ist nach der überragenden Abschiedssaison unter Heynckes die ärmste Sau des Landes.

5 Gründe, warum wir glauben, dass Guardiola bei Bayern scheitern wird.

1. Der Erfolgsdruck

Keine Überraschung: Guardiola muss sofort siegen. Das geht grundsätzlich allen Bayern-Trainern so. Allerdings ist dieser Neubeginn von einer völlig anderen Schärfe geprägt als zuvor. In der Vergangenheit wurden die Trainerwechsel der Bayern fast immer dann vollzogen, wenn die Mannschaft keinen Titel im Jahr zuvor gewonnen hat (wie etwa im dritten Jahr unter Magath oder im zweiten unter van Gaal).

Guardiola übernimmt dagegen das Team, das als erstes deutsches das Triple gewonnen hat – und das nicht glücklich, sondern über den kompletten Saisonverlauf gesehen doch sehr verdient. Egal in welchem Wettbewerb: Die Bayern sind jetzt das Maß aller Dinge, das gehört zum bayrischen Selbstverständnis dazu.

2. Das Umfeld

Und genau hier kommen wir zum Problem Nummer 2: Das Umfeld des FC Bayern ist nicht dafür bekannt, dass es bei Misserfolg lange Ruhe bewahrt – egal ob der Trainer zum neuen Messias auserkoren wurde oder nicht. Hoeneß, Rummenigge und Sammer bringen mehr Fußball-Sachverstand mit als der durchschnittliche Vorstand / Aufsichtsrat eines Bundesligisten, mischen sich aber immer wieder gern in die Angelegenheiten des Trainers ein. Ob Guardiola hier derselbe Demut entgegen gebracht wird wie in Barcelona? Zumindest fraglich.

Auch die erfolgsverwöhnten Fans, ganz besonders die Ultra-Gruppierung Schickeria, üben Druck aus – die beleidigen noch heute Manuel Neuer auf offener Straße. Nachdem Jupp Heynckes als Jahrhunderttrainer, Liebling der Spieler, der Verantwortlichen und eben auch der Fans verabschiedet wurde, tritt Guardiola hier ein schweres Erbe an. Die im Vorfeld verteilten Vorschusslorbeeren („Der beste Trainer der Welt“) könnten schnell aufgebraucht sein.

3. Die fehlende Erfahrung

Guardiola kommt mit 14 Titel im Gepäck nach München, hat den großen FC Barcelona trainiert und an die Weltspitze geführt. Das mag auf den ersten Blick nicht danach klingen, dass Pep zu wenig Erfahrung als Trainer gesammelt hat. Und doch: Abseits von Barca hat er noch keine weitere Mannschaft trainiert. Guardiola kennt jeden Winkel in Barcelona, wurde in der Jugendakademie La Masia ausgebildet und hat dort als Profifußballer große Erfolge feiern dürfen. Er hat Stallgeruch. München dagegen ist neues Terrain, hier ticken die Uhren anders.

Wer noch immer ungläubig ist, sollte einen Blick auf Guardiolas auslaufende Profifußballer-Karriere werfen. Nachdem er 2001 dem FC Barcelona im Zwist mit Louis van Gaal den Rücken kehrte, tingelte er 5 Jahre lang durch die Fußball-Provinz, spielte in Brescia, Al-Ahli und beim mexikanischen Weltklasseverein Dorados de Sinaloa, mit dem er letztlich sogar abstieg. In dieser Zeit kam er lediglich auf 74 Spiele, den Großteil (36) davon in der Altherren-Liga Katars. Eine erfolgreiche Auslands-Bilanz sieht anders aus.

4. Der zu perfekte Kader

Jupp Heynckes hinterlässt eine perfekt eingestellte Mannschaft, die scheinbar harmoniert. Wo ist also das Problem? Dem Götze-Transfer werden sicher noch weitere folgen, Lewandowski soll ja nicht mehr lange auf sich warten lassen. Denkbar auch, dass die Bayern nochmal in der Defensive nachlegen. Dem Vernehmen nach sollen bis auf Tymoschtschuk alle Spieler bleiben, auch Pizarro, Gomez und Robben.

Für Regelunkundige: Bei einem regulären Bundesliga-Spiel dürfen bis zu 7 Ersatzspieler nominiert werden. Nimmt man sich als Basis die Mannschaft vom Champions-League-Triumph und ergänzt diese um die Neuverpflichtungen, hätte man damit folgende Spieler auf der Bank sitzen: Gomez, Pizarro, Shaquiri, Luiz Gustavo, van Buyten, Rafinha, Starke und 37-Millionen-Götze. Nicht berücksichtigt bis hierhin: die noch verletzten Nationalspieler Kroos und Badstuber, die Talente Can, Contento, Höjberg und Kirchhoff (kommt aus Mainz) sowie der Womöglich-noch-2013-Transfer Lewandowski.

Ein so aufgeblähter Topkader schreit nach Unruhe, vor allem dann, wenn einer der alteingesessenen Topstars auf der Bank sitzen muss, für die Mario Götze sicher nicht verstärkt wurde. Dass es diese Saison so ruhig blieb, lag am permanenten Erfolg der Bayern, der Rotation durch die früh gesicherte Meisterschaft, dem Einfühlungsvermögen von Jupp Heynckes und nicht zuletzt daran, dass sich die Verletzungen von Robben, Gomez, Kroos und Badstuber über die Saison gut verteilt haben. Glück im Unglück.

5. Die Sprachbarriere

Dass Guardiola schon seit einem Jahr Deutsch lernt, ist aller Ehren wert. Guardiola gilt als sehr akribischer Arbeiter, es ist also davon auszugehen, dass er der deutschen Sprache mächtiger sein wird als einst Trappatoni. Und doch: Ob er immer genau die richtigen (deutschen) Worte finden wird, um seine Spieler zu motivieren, bleibt abzuwarten. Die Spanischkenntnisse der Herren Müller, Schweinsteiger und Lahm dürften sich im Umkehrschluss auch maximal auf Schulniveau 8. Klasse einpegeln.

Im Profisport entscheiden nun aber nicht mehr ganze Prozent, sondern Hundertstel, vielleicht Tausendstel über Sieg oder Niederlage. Da kann das richtige Wort noch einmal Kräfte mobilisieren lassen. Ob ein Spanier so schnell das Gefühl für die nicht leicht zu erlernende deutsche Sprache bekommt? Da darf man skeptisch sein.

Guardiola und die Bayern: Kann das klappen? Das wird erst die kommende Saison zeigen. Und doch dürfen sich bei den Bayern-Fans Zweifel breit machen. Schon einmal lotsten die Münchner einen erfolgreichen, aber vielleicht doch noch zu erfahrungslosen Jung-Trainer an die Säbener Straße, nachdem ein verdienter und bei Fans, Spielern und Offiziellen extrem beliebter Alt-Trainer sich mit einem großen Triumph verabschiedete. Zumindest der Ausgang bei Klinsmann ist bekannt.

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