Gestern Abend war es wieder so weit – die ganze Nation sah mit an, wie der 1. FC Nürnberg und Eintracht Frankfurt um den letzten Bundesliga-Platz kämpften. Es war kein schönes Spiel, kein faires Spiel und die Nerven der Akteure lagen nicht nur zu einer Gelegenheit blank. Kein Wunder, denn die Relegation ist kein Segen, sondern ein Fluch für den Fußball. Es reicht, schafft die Relegation wieder ab!

Das kann nicht der Sinn vom Fußball sein!

Betrachten wir, was der Gedanke der Relegationsrunden offiziell ist. Sie sollen mehr Spannung erzeugen, indem Vereine die Möglichkeit erhalten, den im Grunde als Tatsache hingenommenen Abstieg noch zu verhindern beziehungsweise den unwahrscheinlichen Aufstieg zu meistern. Es geht offiziell um Wettbewerb, Spannung für die Zuschauer und Werbung für den Fußball. Aber ist dem so? Nein! Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Relegationsspiele im Grunde genommen fußballerischer Murks sind. Wen wundert es?! Am Ende einer langen Saison, die Kraft und Nerven kostete, müssen zwei Teams in einem Hin- und Rückspiel abermals gegeneinander antreten. Die Spannung besteht einzig darin, dass es für beide Teams ums nackte Überleben, um Abstieg oder Aufstieg geht.

Und die Folge ist alles Mögliche –  aber sicher keine Werbung für den Sport. In jedem Jahr, egal ob im Hin- oder Rückspiel, gab es unzählige Schwalben.  Spieler, die sich auf dem Boden krümmten vor Schmerzen, nur um aufzuspringen und wie ein junges Reh über den Platz zu laufen. Und es gehörte in durchweg jedem Relegationsspiel dazu, dass die führende Mannschaft dermaßen Zeitspiel betrieb, dass man vor Fremdscham vom Bildschirm wegsehen wollte. Doch wer will es ihnen verübeln, wenn 180 Minuten über eine Saison entscheiden? Niemand, denn am Ende geht es um Alles oder Nichts – dabei werden sämtliche Möglichkeiten bis zum Äußersten ausgeschöpft.

Das ist nicht fair, das ist einfach Bullshit!

Und genau hier liegt das Problem an der Idee dahinter. Klar, für den Verband gibt es zwei Spiele mehr im Fernsehen und entsprechende Einschaltquoten sowie jede Menge Einnahmen. Was aber ist mit den Vereinen sowie den Fans? Wo liegt die Fairness darin, wenn ein Team eine miserable Saison gespielt hat und etwa durch ein Duseltor, eine einzige strittige Schiedsrichterentscheidung oder ein Eigentor diese schlechten Leistungen relativieren und die Klasse halten kann? Wo bleibt der sportliche Gedanke, wenn ein Team eine Saison lang über sich hinausgewachsen ist, Großartiges geleistet hat und am Ende mit leeren Händen in der Liga verbleibt und nicht aufsteigt? Das ist nicht fair und nicht richtig! Sportliche Leistungen sollten belohnt und nicht am Ende eine Runde russisches Roulette über 180 Minuten gespielt werden! Mannschaften haben eine Saison lang Zeit, sich ihren Platz zu verdienen. Wenn sie es schaffen oder nicht schaffen, sollte dies entsprechende Konsequenzen haben. Bums, aus!

Am Ende geht es aber nicht um den Sport …

Vielleicht ist der wahre Grund ja nicht, dass man mehr Spannung will. Sieht man sich die Ergebnisse aller Relegationsrunden seit der Wiedereinführung 2009 an, fällt auf, dass sich in den meisten Fällen der klassenhöhere Verein durchgesetzt hat. Derjenige, der es selber verschuldete, indem er eine grottenschlechte Saison spielte. Oder pauschal formuliert: Die „Großen“ sind gegenüber den „Kleinen“ klar im Vorteil. Und das ist auch nur logisch. Es klaffen derart entscheidende finanzielle Unterschiede zwischen den einzelnen Ligen, dass es eines kleinen Fußballwunders bedarf, damit man die ungleichen wirtschaftlichen Möglichkeiten ausgleichen und sich überhaupt durchsetzen kann. Die Wahrscheinlichkeit ist also mehr als nur groß, dass Abstiege durch Relegationsrunden verhindert werden.

Dies hat fatale Folgen für die Fans und positive für die DFL: Die großen Vereine können so leichter „unter sich“ bleiben. Es ist unwahrscheinlicher, dass kleine Vereine oder Überraschungsteams den Sprung schaffen (Ausnahmen bestätigen die Regel) und die Kluft zwischen den Ligen immer größer wird. Man darf nicht vergessen: Es geht auch um viel Geld. Ein Auf- oder Abstieg hat gewaltige wirtschaftliche Auswirkungen – oft im hohen Millionenbereich. Jeder vermiedene Aufstieg sichert den Vereinen der oberen Liga weiteres Geld. Mittel, die den Vereinen eine Liga weiter unten in der nächsten Saison eben nicht zur Verfügung stehen.

Die „Kleinen“ haben das Nachsehen

In der Bundesliga bzw. Zweiten Liga ist das Ganze noch relativ human. Der Tabellensechzehnte der Bundesliga spielt gegen den Tabellendritten der Zweiten Liga. An sich eine Art „Bonusplatz“. Schaut man jedoch, wie es in unterklassigen Ligen aussieht, kann man als Fan nur angewidert den Kopf schütteln darüber, welche Regelungen die Verbände festgelegt haben.
In der Regionalliga ist es beispielsweise so, dass die Meister nicht automatisch aufsteigen, sondern sich in einer Relegationsrunde um die drei Aufstiegsplätze in die Dritte Liga prügeln dürfen. Besonders „lustig“ ist dabei noch die Tatsache, dass die Ligen unterschiedlich viele Teams und somit die gegeneinander antretenden Mannschaften unterschiedlich viele Spiele in den Knochen haben. Habe ich da was von „Fair Play“ gehört? Es kann also sein, dass ein Team etwa mit 15 Punkten(!) Vorsprung Meister wird, nur drei Niederlagen kassiert und sportlich auch ansonsten eine nahezu perfekte Saison abgeliefert hat – am Ende aber mit leeren Händen dastehen könnte. Ihr glaubt mir nicht? Genau dies ist bei den Sportfreunden Lotte der Fall, die sich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit wandten. Der erhielt leider nicht die mediale Beachtung, die er verdient gehabt hätte. Wieso? Weil die  Lotter Recht haben!

Das Ganze hat nichts mit Fairness zu tun! Der Meister einer Liga muss mit dem Aufstieg belohnt werden, ohne Wenn und Aber! Er hat es verdient! Genauso wie es ein Verein verdient hätte, abzusteigen, wenn er es sportlich über ein Jahr nicht schaffte, einen gewissen Tabellenstand zu erreichen. Man braucht die Fans gar nicht für dumm zu verkaufen. Die Relegation hat – man muss sich nur die Ergebnisse der letzten Jahre ansehen – nicht zu mehr Wettbewerb geführt, sondern lediglich dazu, dass weniger oberklassige Vereine absteigen. Es geht nicht um den Sport. Kann es gar nicht. Denn ginge es um den Sport, würde es diese Aufstiegsrunden-Praxis nicht geben. Eine Saison würde über dann über Wohl und Wehe einer Mannschaft entscheiden – und nicht 180 Minuten.

Es reicht, schafft die Relegation wieder ab!