Man kann über Günter Netzer und Gerhard Delling und ihre damaligen Fußball-Dispute im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sagen, was man will: Es war einfach hochunterhaltsam, mit anzusehen, wie die beiden sich bei ihren Bewertungen in Halbzeiten und nach wichtigen Spielen rhetorisch an die Gurgel gegangen sind. Das erreichte irgendwann solch legendäre Spitzen, dass die beiden sogar in Parodie-Sketchen der Pro-7-Sendung ‘Switch reloaded’ veräppelt wurden. Jetzt ist bekanntgeworden, was die beiden für ihre TV-Arbeit so bekommen haben.

Kurz nachdem in der Öffentlichkeit eine Debatte über die Honorare von Größen wie Oliver Kahn oder Mehmet Scholl für ihre Expertenmeinung ausgebrochen war, sind jetzt Zahlen von dem Mediendienst „Kress“ veröffentlicht worden, die die Entgelte von Delling und Netzer offenlegen. In gerade einmal drei Jahren haben die beiden zwischen 2007 und 2010 jeweils Vergütungen in Millionenhöhe erhalten.

So hat Günter Netzer in dieser Zeit von der ARD 3,8 Millionen Euro erhalten. Diese Zahl entnimmt „Kress“ einem „vertraulichen Bericht des Landesrechnungshofes in Rheinland-Pfalz“, der auch noch enige geheime, nicht veröffentlichte Posten enthalten soll. Der Vergütungshöchstwert des ehemaligen Gladbach-Spielers Netzer soll allein 2009 bei 1,06 Millionen Euro gelegen haben.

Auch Delling hat sagenhaft verdient

Der ARD-Mann Gerhard Delling soll für die gemeinsam mit Netzer moderierten Länderspiel-Sendungen zwischen 2007 und 2010 mit insgesamt 2,36 Millionen Euro vergütet worden sein.

Kommentar des Verfassers:
Traumhafte Unsummen, bei denen die Frage erlaubt sein muss, ob sie dem Aufwand, vor der Kamera eine Handvoll wichtiger Fußballspiele zu analysieren, auch angemessen sind. Man darf schließlich nicht vergessen, dass solche Ausgaben von unser aller Gebührengeldern bezahlt werden. Wer hier von einer Neiddebatte spricht, macht es sich meiner Meinung nach zu leicht. So oder so: Die Debatte um die angemessene Bezahlung für solche Expertentätigkeiten nimmt vorerst wohl kein Ende.

| Fotos:360b / Shutterstock.com

Quelle: Focus