Nach dem Rauchen wird er gedankenlos zu Boden befördert: der Kippenstummel. Frei nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn. Der Statistikdienst „Planetoscope“ hat errechnet, dass es weltweit im Jahr an die 4300 Milliarden Stück sind. Eine unvorstellbare Zahl, die laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO satte 30 bis 40 Prozent des gesamten Mülls ausmacht, der sich weltweit an Stränden und in Städten ansammelt.

Allein in Frankreich Hauptstadt Paris liegen jährlich 315 Tonnen Kippenreste auf dem Boden, sammeln sich besonders an belebten Plätzen – bevor der Regen sie in die Kanalisation schwemmt, wo sie zum Problem für Kläranlagen und ihre Filter werden. Den Franzosen gilt der Stummel als „öffentlicher Feind Nummer eins“, so schreibt es das Magazin „Le Point“. Nun wollen sie die Tabakindustrie dafür zur Rechenschaft ziehen.

Nicht ohne Grund, die Zigarettenfilter bringen etliche Probleme mit sich: Sie zerfallen sehr langsam, es dauert etwa zehn Jahre, bis das Zelluloseazetat abgebaut ist. Darin enthalten: Ein Giftcocktail aus Nikotin, Pestizid-Rückständen, Schwermetallen und Phenol, der nicht nur krebserregend ist, sondern das Grundwasser gefährdet. Laut dem Verein „Rechte der Nichtraucher“ (DNS) genügt ein Stummel, um „bis zu 500 Liter Wasser [zu] verseuchen“.

In Indien rückt man den Stummeln zu Leibe und macht daraus Bänke:

Nun haben die französischen Gesetzgeber reagiert und belangen das Wegwerfen der Kippenreste wie öffentliche Müllentsorgung und öffentliches Urinieren: Wer ertappt wird, muss blechen. 68 Euro Strafe fallen für einen weggeworfenen Stummel an. Abgeschreckt hat das bislang aber niemanden, allein in Paris wurden 21.000 Knöllchen ausgestellt, ohne dass ein Ende des Kippen-Wegwerfens in Sicht wäre.

Darum plant die französische Regioerung, sich die ungeheuren Entsorgung- und Verunreinigungskosten der Kippen von den Herstellern zurückzuholen: „Die Stummel, die die Raucher auf die Straße werfen, schaffen Kosten, denn sie müssen aufgesammelt werden“, so Brune Poirson, Staatssekretärin im Ministerium für Solidarisch-Ökologischen Wandel.

Geht es nach dessen Plänen, zahlen die Tabakriesen in Zukunft einen Cent Sonder-/Öko-Abgabe pro Schachtel. Doch die Tabakbranche hätte viel lieber eine Kampagne, bei der die Raucher zu mehr Nachhaltigkeit erzogen und „sensibilisiert“ würden. So bezeichnete etwa ein Sprecher von Marlboro-Hersteller Philipp Morris France die Pläne als lediglich „eine neue Steuer“.

Definitives wurde von der französischen Regierung noch nichts entschieden, doch angesichts des gewaltigen Problems dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bevor sich dort etwas tut – und auch in Deutschland entsprechende Schritte diskutiert werden könnten.

Quelle: spiegel.de