Die Geschlechtskrankheit Gonorrhoe, landläufig auch „Tripper“ genannt, galt eigentlich als besiegt. Hier und dort wurden noch Scherze darüber gemacht, wirklich erst nahm in der industrialisierten Welt die Seuche keiner mehr. Nun schlägt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) allerdings abermals Alarm, denn der Tripper feiert ein trauriges Comeback.

Weltweit nehmen die Infektionen in einem besorgniserregenden Maß zu. Laut der WHO fangen sich jährlich erschreckende 78 Millionen Menschen beim Sex die für die Krankheit verantwortlichen Gonokokken-Bakterien ein. Hierzulande wird die Zahl der Betroffenen auf 20.000 bis 25.000 pro Jahr geschätzt. Tendenz steigend.

Das größte Problem dabei: Wie viele andere Krankheitserreger auch, entwickeln die Tripper-Bakterien allmählich eine Resistenz gegen Antibiotika. Das könnte in absehbarer Zeit dazu führen, dass sich die Seuche unkontrolliert verbreitet. In zwei Dritteln der betroffenen Länder klagen Ärzte bereits, dass ihnen die wirksamen Mittel zur Bekämpfung ausgehen. Schuld daran ist nicht nur die enorme Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit der Gonokokken, sondern auch eine Sexualpraxis mit Rockstar-Status: Der Oralverkehr!

Der Hals als Brutstätte

Dabei gelangen die Erreger nämlich in den Hals, wobei eine Infektion entstehen kann. Wird diese dann mit Antibiotika bekämpft, bleiben oft Reste von Bakterien zurück, die eine neue Infektion begünstigen. Abermals kommen Antibiotika zum Einsatz und der Grundstein für eine Resistenz ist gelegt. Die Vermengung von Tripper- und Erkältungserregern fördert deren Widerstandsfähigkeit zusätzlich.

Die bei der WHO zuständige Medizinerin Teodora Wi ließ unlängst verlauten, dass bald nur noch das Kondom als Schutz bleiben könnte, wenn sich die Resistenz so weiterentwickelt, wie bisher.

Alle Hoffnung ruht nun auf einem neuen Impfstoff, der ursprünglich zur Bekämpfung der Hirnhautentzündung (Meningitis) entwickelt wurde. Wie sich nach einer entsprechenden Impfkampagne in Neuseeland zeigte, waren 30 Prozent der Teilnehmer nach der Behandlung auch immun gegen den Tripper-Erreger Neisseria gonorrhoeae. Das Erbgut von Gonorrhoe- und Meningitis-Erregern ist nämlich zu 90 Prozent identisch, so dass sich der Impfstoff MeZB gegen beide Erreger-Typen wenden und offenbar jede dritte Tripper-Infektion abwenden kann.

Dummerweise handelt es sich bei MeZB um einen recht alten Impfstoff, der aktuell nicht mehr hergestellt wird. Die Wirkung des Nachfolgers, des Mehrfachimpfstoffes 4CMenB, gilt als fraglich, die Möglichkeit der Neuauflage von MeZB als ungesichert.

Daneben ist derzeit lediglich ein einziges Antibiotikum gegen die Geschlechtskrankheit in der Entwicklung. Sollte sich diese eine Kugel im Lauf als unwirksam erweisen, stehen wir dem Tripper so wehrlos gegenüber wie vor 100 Jahren.

Quelle: focus.de