Es gibt unzählige Memes im Netz, die mit einem einzigen Foto auf den Punkt bringen, weshalb Frauen länger leben als Männer. Allerdings tragen die dabei dokumentierten lebensmüden Handwerker-Aktionen oder hochgefährliche Schnaps-Ideen sicherlich nur einen kleinen Teil zur weltweit deutlich höheren Sterberate der Männer bei. Nun wollte die WHO die wahren Gründe ermitteln, weshalb wir Kerle so viel früher über den Jordan gehen als die Frauen, und hat dazu eine globale Studie initiiert, aus der sechs wichtige Erkenntnisse hervorgehen.

1. Es werden zwar mehr Jungen geboren, aber das Verhältnis kehrt sich im Laufe des Lebens um

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zufolge kommen in diesem Jahr über 141 Millionen Babys zur Welt. Davon sind 73 Millionen Jungs, womit auf 100 Mädchen rund 107 Kerle kommen. Dieser Überschuss an Männern verliert sich jedoch im Laufe der Zeit. So hatte sich der Unterschied im Jahr 2016 bereits in der Altersgruppe der 50 – 54-Jährigen wieder ausgeglichen, während die Frauen ab 60 die Führung übernahmen. Eine Entwicklung, die sich mit steigendem Alter rasant fortsetzt.

2. Frauen leben länger gesund

Aktuell liegt die Lebenserwartung von heute geborenen Jungen bei rund 70 Jahren, die von Mädchen bei 74. Immerhin fünf Jahre mehr, als noch im Jahr 2000, und auch die Zahl der Jahre, die wir ohne Krankheiten leben, ist mittlerweile auf statistische 63,3 Jahre gestiegen. Doch auch hier klafft eine Lücke zwischen den Geschlechtern. Denn während Frauen sich auf rund 64,8 gesunde Lebensjahre freuen dürfen, sind es bei den Männern derer bloß 62,0.

3. Von den 40 häufigsten Todesursachen wirken sich 33 stärker auf die Lebenserwartung von Männern aus

Unterm Strich gibt es damit schlicht mehr Ursachen, weshalb Männer sterben. So kosten ischämische Herzkrankheiten den Mann etwa 0,84 Lebensjahre mehr als Frauen, Verkehrsunfälle schlagen sich mit 0,47 verlorenen Lebensjahren nieder, Lungenkrebs mit 0,4 und chronisch obstruktive Lungenkrankheiten (COPD) belasten unser Lebenskonto mit weiteren 0,36 Jahren.

Dann wären da noch die genetischen Vorteile der Frau, die unter anderem dazu führen, dass Mädchen mit einem stärkeren Immunsystem gesegnet sind und das Kleinkindalter infolgedessen eher überleben. Und auch die Geschlechterrolle gilt als Risikofaktor, da Männer zum Beispiel häufiger im Verkehrssektor arbeiten und deshalb auch eher einem Unfall zum Opfer fallen. Ab dem 15. Lebensjahr ist das Risiko an einem Verkehrsunfall zu sterben bei den Männern glatt doppelt so hoch wie bei den Frauen.

4. Die Unterschiede sind in reichen Ländern größer

Je ärmer ein Land, desto geringer der Unterschied in Sachen Lebenserwartung von Frau und Mann. Dies ist vor allem den Gefahren geschuldet, die mit einer Schwangerschaft einhergehen. Immerhin sind in mehr als 90 Prozent der Regionen mit einem geringen Einkommen weniger als vier Hebammen für rund 1000 Frauen zuständig. Und so kommt es dann auch, dass dort eine von 41 Frauen an den Folgen einer Schwangerschaft oder Geburt stirbt. Im Vergleich dazu ist in Ländern mit vergleichsweise hohem Einkommen lediglich eine von 3300 Frauen betroffen.

In reichen Ländern kommen indes Umweltfaktoren und ein ungesunder Lebensstil zu tragen. Immerhin wird in einkommensstarken Regionen deutlich mehr getrunken und am meisten geraucht. Und was das betrifft, sind Kerle eindeutig vorneweg: Der Studie zufolge rauchen Männer fünf Mal so viel wie Frauen und konsumieren vier Mal so viel Alkohol.

5. Männer sind häufiger suizidgefährdet und Mordopfer

Mit Blick auf die Bevölkerungsgröße werden die meisten Morde in Amerika begangen. In Sachen Suizid führt hingegen die europäische WHO-Region (die auch Russland mit einbezieht) das weltweite Ranking an. Ebenfalls zwei Faktoren, die auf die Geschlechter unterschiedlich wirken. So liegt das Risiko eines Selbstmordes bei Männern um ganze 75 Prozent höher. Zudem werden vier Mal so viele Männer ermordet wie Frauen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Frauen weniger Gewalt erfahren, doch das ist ein anderes Thema, das einer eigenen Überschrift bedarf.

6. Männer ignorieren Krankheiten länger

Gleiche Krankheit, gleiche Symptome und doch holen sich Männer später Hilfe als Frauen. Das resultiert in einen geschwächten Körper, der anfälliger für Folgekrankheiten wird, was zum Beispiel im Falle von HIV häufiger zum Tod durch Aids führt. Von daher raten die Forscher, Strategien zu entwickeln, um Männern den Zugang zu Gesundheitsangeboten zu erleichtern. Damit ließen sich nicht nur Geschlechterunterschiede verbessern, sondern auch die grundsätzliche Verbreitung von Krankheiten in der Gesellschaft verringern.

Quelle: spiegel.de