Um die Fähigkeiten von Scharfschützen ranken sich nicht erst seit unzähligen Videospiel-Shootern und Filmen wie „Duell – Enemy at the Gates“ oder „American Sniper“ unzählige Mythen. Schon immer waren diese Geister des Schlachtfelds der Alptraum der Infanterie und – die richtige Bewaffnung vorausgesetzt – auch leichter Panzerfahrzeuge. Dieser Ruf kommt nicht von ungefähr, wie der unlängst von einem Texaner aufgestellte Weltrekord über den weitesten Schuss mit einem Scharfschützengewehr zeigt.

Bill Poor heißt der gute Mann, der ein Ziel in unglaublichen 4.837 Metern traf. Für seinen Rekordschuss verwendete der Scharfschütze ein Sniper-Gewehr vom Typ CheyTac im Kaliber. 408. Damit überbot er den Rekord des Nacy-SEAL-Scharfschützen (im Ruhestand) Charles Melton, der ein Ziel auf 4.572 m getroffen und dafür 38 Schuss benötigt hatte. Bill brauchte für seinen Treffer lediglich acht Schuss. Bedauerlicherweise wird das Guinness Buch der Rekorde seinen Weltrekordversuch nicht aufführen. Der Grund dafür erscheint verblüffend:

„Sie [die Leute vom Guinness-Buch] erkennen Schüsse mit Zieloptik nicht an“, offenbarte Poor  gegenüber Dallas News, „Das haben schon mehrere Leute versucht und denen alle Beweise geschickt, doch aus irgendeinem Grund lassen sie die nicht gelten.“ Tatsächlich hatte der 41-Jährige ein mächtiges Zielfernrohr verwendet. Guinness offenbarte, dass man „für Chancengleichheit sorgen“ wolle, weil solche Fernrohre sich in ihrer Stärke teils drastisch voneinander unterscheiden und deshalb darauf verzichtet werden sollte. Doch dass Bill eines verwendet hat, sollte seine Schussleistung auf keinen Fall schmälern. Schließlich richtet man nicht nur das Fadenkreuz aus und drückt ab wie in einem Videospiel.

„Das bekäme nicht jeder Scharfschütze hin“

Windgeschwindigkeit, Sichtverhältnisse, Temperatur und der damit verbundene Luftwiderstand und sogar die Erdkrümmung spielen bei solch einem Schuss eine gewaltige Rolle – all diese Faktoren nehmen Einfluss auf die Flugbahn des Projektils. Entsprechend hoch muss das Zielfernrohr auf dem Gewehr angebracht werden – Bill nennt diese Modifikation „das Dope“ – und der eigentliche Schütze sich ebenfalls in erhöhter Position befinden, um der Gravitation überhaupt entgegenwirken zu können. Auch Bills Gewehr wurde für diesen Schuss speziell modifiziert. Unglaubliche 14 Sekunden hat es vom Abfeuern des Schusses bis zum Einschlag im Ziels gedauert. 

Die Beobachter, die das Ziel bei dem Rekordversuch nicht aus den Augen ließen, hörten den Schuss erst zehn Sekunden nach dem Abdrücken. Bill dazu: „Es braucht schon ein spezielles Gewehr wie meines, um solch einen Treffer zu landen. Das bekommt keinesfalls jeder Scharfschütze oder Experte für Weitschüsse einfach so hin – ihrem Gewehr fehlt das nötige Dope.“ Der 41-Jährige kann sich nun rühmen, den weitesten Schuss zu Friedenszeiten abgefeuert zu haben, nur dass dieser leider nicht akzeptiert wird.

Den weitesten Sniper-Schuss in einem militärischen Konflikt hat übrigens ein namenloser kanadischer Soldat abgefeuert, der zur Joint Task Force 2 gehörte. Diese Elite-Einheit kämpfte während des Irakkriegs und der erwähnte Scharfschütze schaltete einen Gegner über eine bestätigte Distanz von 3.540 Metern aus. Damit gehört er zu einer Riege von gleich drei Kanadiern, die in der Weltrangliste für extreme Scharfschuss-Weiten ganz weit vorne liegen.

Quelle: ladbible.com