Sie bilden ein enormes Umweltproblem – und das trotz ihrer geringen Größe: Zigarettenstummel, insbesondere solche mit Filter. Weltweit stellen sie das Abfallprodukt dar, das am meisten in die Landschaft geworfen wird. Damit gelangen nicht nur schädliche Giftstoffe und Nikotin ins Grundwasser, die Filter selbst sind aufgrund des Kunststoffbestandteils Celluloseacetat schwer abbaubar. Daher fordern Wissenschaftler: Der Verkauf von Filterzigaretten sollte komplett untersagt werden.

Die Experten aus London und San Diego stellten diese Forderung im „British Medical Journal“. Milliarden achtlos weggeworfener Stummel trügen nicht nur zum weltweiten Plastikmüll-Problem bei. Die Filter seien zudem nutzlos, ihre einzige Funktion sei das Sparen von Tabak für die Branche, man würde den Menschen nur vormachen, die Filter würden das Rauchen weniger gesundheitsschädlich gestalten.

Erfunden wurde der Filter bereits in den 50er Jahren, um den damals aufkeimenden Lungenkrebsbedenken seitens der Tabakindustrie entgegenzuwirken

Das Rauchen würde dadurch „gesünder“, so die damalige Behauptung der Branche. „Wir wissen nun, dass dieses Sicherheitsargument ein Märchen war - eines von vielen, welche die Tabakindustrie erfunden hat, um Zigaretten zu verkaufen“, heißt es in dem Leitartikel der Wissenschaftler. Im Gegenteil, durch Filter ziehe man sogar stärker und sauge die krebserregenden Stoffe daher tiefer ins Lungengewebe.

Eine Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen aus dem Jahr 2016 kam zu dem Schluss, dass von jährlich 5,6 Billionen gerauchten Zigaretten 4,5 Billionen achtlos weggeschnippt oder anders unsachgemäß entsorgt werden. Zwei ganze Drittel davon landen einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge auf dem Boden. 15 Milliarden Zigaretten werden täglich verkauft – demnach werden pro Tag rund zehn Milliarden Stummel geschnippt.

Bis zu zehn Jahre dauert es, bis der Kunststoff Celluloseacetat aus den Filtern biologisch abgebaut wird

Die Wissenschaftler betonen, dass zwar die Fastfood-Branche in die Pflicht genommen wurde, weniger Plastikmüll zu produzieren, doch der Tabaklobby sei es gelungen, „die öffentliche Empörung zu vermeiden“.

Die Verantwortlichen des Artikels betonen, dass die Debatte um die Gefahren des Rauchens mit jener um das Thema Umweltzerstörung in Verbindung gebracht werden müsse:

„Wenn es uns nicht gelingt, die Billionen Zigarettenstummel, die jährlich zur weltweiten Abfallbelastung beitragen, zu reduzieren, untergraben wir unsere Bemühungen, den weltweiten Plastikmüll einzudämmen und verpassen die Gelegenheit, die globale Tabakepidemie zu beenden.“