Wegen einer Minute Verspätung: Bahn kürzt Lohn von Lokführer – Den Deutschen sagt man nach, pünktlich zu sein – doch das ist nichts im Vergleich zu japanischen Zügen. Dort ist man derart darauf versessen, dass alles termingerecht abläuft, dass es schon mal zu kuriosen Streitigkeiten wegen kleinster Verspätungen kommen kann.

So landete ein Fall vor dem Bezirksgericht Okayama im Westen des Landes, bei dem es um eine einzige Minute Verspätung ging.

Diese Minute führte dazu, dass man den Lohn des Lokführers um umgerechnet 33 Cent kürzte.

Laut der japanischen Tageszeitung „Yomiuri Shimbun“ hatte der Zugführer im Juni 2020 die Aufgabe, einen Zug in ein Bahndepot nach Okayama zu überführen. Der Mann wartete jedoch am falschen Bahngleis auf die Ankunft, was er erst bemerkte, als ein anderer Zug einfuhr.

Also hastete er zum richtigen Bahnsteig, was ihn zwei Minuten kostete. Daraus resultierte eine einminütige Verspätung bei der Abfahrt und am Ende auch beim Abstellen im Depot.

Sein Arbeitgeber, die West Japan Railway, kürzte den Monatslohn des Mannes daraufhin um 85 Yen, was umgerechnet etwa 65 Cent entspricht.

Als Begründung wurde angeführt, dass der Mitarbeiter in den zwei Minuten keine Arbeit geleistet habe.

Immerhin: Nachdem der Lokführer den Fall einer Arbeitnehmer-Meldestelle kundgetan hatte, ließ sich der Bahnbetreiber dazu erweichen, den Lohnabzug auf 43 Yen für eine Minute Verspätung zu reduzieren.

Dies erschien dem Fahrer jedoch nach wie vor unangemessen, weshalb dieser vor Gericht zog.

Unter anderem wegen „seelischer Qualen“ verlangt er nun fast 17.000 Euro Schadensersatz. Schließlich habe er lediglich einen kleinen Fehler begangen und sei seiner Arbeit nicht ferngeblieben.

Arbeitgeberseitig heißt es bloß, dass das Prinzip „keine Arbeit, kein Lohn“ gelte.

Quelle: spiegel.de