Man kann sich heutzutage des Eindrucks nicht erwehren, dass es um das menschliche Miteinander schon besser bestimmt war – ohne Soziale Netzwerke und Dauergetippe auf mobilen Geräten schienen die Leute netter gewesen zu sein. Das mag nur ein subjektives Gefühl sein, schließlich waren die Menschen früher schon gemein zueinander – aber der Eindruck zwingt sich auf. Die Welt scheint oberflächlicher zu werden. Dieses Video möchte einen Eindruck davon geben.

Das „soziale Experiment“, wie sich diese Netzvideos so schön nennen, hat sich der Frage auf gewisse Weise angenommen. Der Macher will zeigen: Wem geben die Passanten mehr Geld? Dem hungrigen Obdachlosen – oder einer jungen Frau, die sich die Brüste vergrößern lassen will? Zu diesem Zweck verkleidet sich der junge Mann als abgehängtes Mitglied der Gesellschaft und pflanzt sich mit dem aussagekräftigen Pappschild: „Brauche Geld, leide Hunger“ an eine belebte Passage.

An sich nichts, was man nicht kennt, käme später nicht noch ein Twist: Eine Freundin stellt sich, in knappen Hotpants und ebenso überschaubarem Oberteil, in die Nähe. Auch sie hat ein Schild dabei, das verkündet, dass es ihr am Baren für die Brustvergrößerungs-OP fehlt. Dreimal dürft ihr jetzt raten, wer mehr Geld bekommt. Natürlich muss man beim Genuss solcher von Laien erstellten Filmchen, die etwas „beweisen“ wollen, Vorsicht walten lassen. Denn wir wissen nicht, wie viele Passanten dem „Obdachlosen“ etwas gegeben haben – aber rausgeschnitten wurden, um den Eindruck, den das Video wecken soll, zu verstärken. Noch wissen wir, ob nicht auch Kritiker bei der jungen Dame am Stand waren, weil das Filmchen sie nicht zeigt. Doch sollte das gezeigte Material ohne Auslassungen oder Ergänzungen so geschehen sein, lässt es tiefer blicken als Top des Lockvogels.