Arno der Hund hatte keine Lust mehr auf Herrchen und Frauchen. Ob nun ein rebellischer Anflug von Pubertät den Impuls gegeben hatte, oder die jahrelange Zermürbung, seinen wölfischen Instinkten keinen freien Lauf lassen zu dürfen, hätte er selbst nicht zu sagen vermocht. Fakt war, er musste weg! Weg von Frauchens alterszerfurchten Streichelhänden, weg von Herrchens strenger Befehlsgewalt. Aber wie soll man entkommen, wenn man ein Leben an der Leine führt?!

Geht man mit einer kühnen Idee, einem wilden Gedanken erst einmal schwanger, reift diese wie das Kind im Bauche einer Frau allmählich und unweigerlich zu einem Plan heran. So auch in Arnos Hundeschädel, in dem ein Wort auf fruchtbaren Boden gefallen war: Wuff! Was übersetzt in etwa so viel heißt wie: Flucht!

Arno wusste aus Erfahrung, dass er nicht überhastet handeln durfte, geblendet von der Aussicht auf ein Leben in Freiheit, umringt von rasierten Pudeldamen, an deren Häufchen er solange schnuppern durfte, wie er wollte. Als Welpe war er schon einmal davongelaufen. Leider hatten ihn seine kurzen Stummelbeinchen nicht allzu weit getragen, weshalb er sich kurz darauf unter verschärften Bedingungen abermals in Gefangenschaft wähnte.

Nein, diesmal würde er auf die passende Gelegenheit warten und solange den devoten Idioten spielen und auf diesen bescheuerten Namen reagieren, wie nötig war. Stolz und Würde sind hinter Gittern eine Währung ohne Gegenwert.

Und tatsächlich sollte sich Arnos Geduld urplötzlich Auszahlen, als Herrchen und Frauchen aus den Wagen auszusteigen, in den sie ihn zuvor mit einem süßlich-faulem „Koooomm, na koooooomm“ eher zitiert, denn gebeten hatten, wie es nun einmal der Art des Menschen entsprach.

Als Herrchen dann auch noch den Fehler machte, den Schlüssel steckenzulassen und sie beide die Türen hinter sich zuschlugen, öffnete sich vor Arnos geistigem Auge eine Pforte in die Freiheit. Er reagierte sofort, tappte etwas unbeholfen mit der Pfote auf der Mittelkonsole herum und tatsächlich gelang es ihm, den Verriegelungsmechanismus zu aktivieren, der ihm selber schon so oft zum Verhängnis geworden war.

„Wauwuff“, dachte sich Arno triumphierend, was in etwa so viel bedeutete „Jetzt könnt ihr mal an meinem Hintern schnüffeln, ihr Trottel! Ich bin so was von weg!“, und er konnte schon förmlich die salzige Luft eines Strandes in Südamerika auf der Zunge schmecken, als ihm plötzlich einfiel, dass er kein Auto fahren konnte…