Es ist bezeichnend für unsere Gesellschaft, dass jedem von uns eine eigene Meinung gestattet ist. Ein wertvolles Gut in der Wundertüte der Freiheit und alles andere als selbstverständlich! Allerdings wirft selbst die Meinungsfreiheit einen Schatten. Und zwar immer dann, wenn zwei Parteien aufeinandertreffen, die unterschiedliche Ansichten zu einem Thema vertreten. Was stimmt denn nun, wenn ja eigentlich beide Seiten Verfassungsrecht haben müssten? Die Zeiten, in denen ein sachlicher Diskurs darüber geführt wird, sind nicht zuletzt seit der Kommentarfunktion im Internet wohl leider vorbei, und so entfachen sich immer wieder wahre Waldbrände überall dort, wo ein Funke der Fäkalsprache auf den hochentzündlichen Boden sensibler Themen fällt, wie zum Beispiel Vegetarismus, Gleichberechtigung, Rauchen, oder eben Erziehung.

Man sagt, die Freiheit des Einzelnen stößt an ihre Grenzen, sobald sie die Freiheit des anderen berührt. Wird diese Grenze überschritten, wird gestritten. Führt auch das zu nichts, fällt ein Gericht ein Urteil, woraufhin sich eine der beiden Parteien üblicherweise ungerecht behandelt fühlt. So auch eine Mutter aus Kansas, die ein Museumsbesuch mit ihrem Kind teuer zu stehen kommen könnte.

Sarah Goodman vertritt nämlich die Ansicht, dass es vollkommen in Ordnung sei, wenn ihr Filius die Kunstausstellung auf eigene Faust erkundet. Soll ja was lernen, der süße Schatz. Dass es sich bei den Skulpturen jedoch nicht um gesicherte Klettergerüste handelt, scheint der wissbegierige kleine Autodidakt mit seinen fünf Jahren noch nicht eruiert zu haben, und es kommt, wie es kommen muss: Eine sündhaft teure Statue stürzt von ihren Sockel und ein paar Tage später hat Sarah eine Rechnung über umgerechnet rund 113.000 Euro in ihrem Briefkasten.

Die Frau ist natürlich entsprechend aufgebracht: „Niemand würde jemals erwarten, sich an einem Ort, an dem Kinder eingeladen sind, Sorgen darüber machen zu müssen, dass ein 113.000 Euro teures Stück Kunst herunterfallen könnte.“ Die Vertreter des Museums sind indes ganz anderer Meinung und werfen Sarah fahrlässigen Umgang mit ihrer Aufsichtspflicht für ein minderjähriges Kind vor.

Wie die Nummer letzten Endes ausgegangen ist, wissen wir nicht, sind uns aber sicher, dass die Anwälte genau umgekehrt tätig geworden wären, hätte sich das Kind ernsthaft verletzt. Die Debatte darüber, ob das Corpus Delicti nun wirklich so viel Geld wert ist oder ein Museum ganz einfach nicht der richtige Ort, um einen fünfjährigen Bengel frei drehen zu lassen, überlassen wir an dieser Stelle einfach mal euch. Wir sind nur die, die mit den Streichhölzern spielen…