Trinken für die Wissenschaft: Teilnehmer für Alkohol-Studie gesucht – Es ist schon erstaunlich, aus welchen Zeiten die Bewertungsgrundlagen für einige unserer Gesetze stammen. Wird im Falle einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss beispielsweise vor Gericht eine entnommene Blutprobe relevant, fußt das Urteil auf eine Berechnungsformel, die dem Stand der Wissenschaft vor 90 Jahren entspricht.

An der Uniklink Köln möchte man sich des Themas nun annehmen und die Formel modernisieren.

Zur Erklärung: Im Jahr 1932 fand der Chemiker Erik Widmark heraus, dass man die Alkoholkonzentration im Körper eines Menschen anhand dessen Gewichts mathematisch ziemlich präzise ermitteln kann. Er stellte außerdem fest, dass die Konzentration mit jeder Stunde um 0,1 bis 0,2 Promille sinkt.

Nun könnte es bei einer Gerichtsverhandlung allerdings von entscheidender Bedeutung sein, ob nun drei oder eben sechs Stunden vergehen, bis man wieder bei null ist, weshalb die Berechnung aus Sicht der Uniklinik nicht mehr zeitgemäß ist.

Deshalb hat man dort eine neue Studie namens „COVETH“ ins Leben gerufen, im Rahmen derer das Zentrum für Pharmakologie und das Institut für Rechtsmedizin herausfinden wollen, wie sich der Zeitverlauf der Alkoholkonzentration im Blut unter Berücksichtigung wichtiger Faktoren wie Alter, Geschlecht, Gewicht, Körpergröße oder Trinkgeschwindigkeit verhält.

Dabei sollen freiwillige und gesunde Probanden ein großes Glas Wodka entweder auf einmal oder über eine Stunde verteilt trinken.

Die individuelle Menge, die nötig ist, um eine anfängliche Alkoholkonzentration von 0,5 bis 1 Promille zu erreichen, richtet sich nach dem jeweiligen Körpergewicht.

„Über einem Venenverweilkatheter entnehmen die Forschenden dann solange wiederholt Blutproben von den Probanden, bis der Wert unter 0,05 Promille fällt“, heißt es.

Anschließend sollen die verschiedenen Einflussfaktoren dazu dienen, mittels eines mathematisch-statistischen Modells eine neue Formel für den Abbau von Alkohol zu entwickeln.

Von daher sucht die Uniklinik nun nach 250 Teilnehmern.

Erwünscht sind dabei „insbesondere auch Personen über 65 Jahre und Personen ostasiatischer Herkunft“. Denn: Auch die Genetik und die Aktivität der Enzyme im Körper sind entscheidende Faktoren für die Ermittlung des Alkoholwertes im Körper. Menschen aus Ostasien haben beispielsweise vergleichsweise häufiger eine Alkoholunverträglichkeit.

Mit Blick auf die Umstände in Sachen Corona, wird die Studie aller Voraussicht nach noch einige Monate andauern. Nähere Informationen erhalten Interessierte auf Anfrage unter "[email protected]". Vonseiten der Uniklini wird eine angemessene Aufwandsentschädigung in Aussicht gestellt. Außerdem soll den Teilnehmern ihre individuelle Abbaugeschwindigkeit mitgeteilt werden.

Quelle: tag24.de