Eine der größten intellektuellen Herausforderungen im Leben eines Menschen stellt neben der alljährlichen Steuererklärung die hoffentlich nicht ganz so häufige Bewerbung dar. Während die Meisten dem Anschreiben und der mittlerweile so populären „Dritte Seite“ ganz besonders viel Aufmerksamkeit widmen, wähnt man sich in Sachen Lebenslauf leichthin auf der sicheren Seite. Doch die Befähigung für einen Job wird von den Personalleitern weniger daran gemessen, wie gut man im Internet nach den typischen Satzbausteinen suchen kann, sondern eher daran, was man bisher geleistet hat. Worauf es dabei besonders ankommt, hat nun eine Studie herausgefunden.

Die Forscher des „Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung“ legten im Zuge ihrer Untersuchung insgesamt 579 deutschen Personalleitern verschiedene Lebensläufe von fiktiven Bewerbern vor und richteten ihr Augenmerk darauf, welche Fähigkeiten aus Sicht der Personaler ganz besonders relevant sind.

Studienleiter Marc Piopinuik erklärt: „Wir haben auf diesen Lebensläufen eigentlich typische Merkmale angegeben, wie man sie so in der Realität auch sieht, etwa Schulabschlussnoten, Hochschulabschlussnoten, Informationen über Fremdsprachenkenntnisse, über IT-Kompetenzen, über Praktika.“ Um mögliche Diskriminierung aufgrund des Aussehens oder der Herkunft im Vorfeld ausschließen zu können, enthielten die Lebensläufe keine Fotos. Zudem wurden allen Bewerber typisch deutsche Namen gegeben, wie etwas Sabine Müller.

Die Studie kam schließlich zu dem Ergebnis, dass drei Aspekte entscheidend sind:

  • kognitive Fähigkeiten, also die Schulabschlussnote bzw. die Hochschulabschlussnote oder EDV-Kenntnisse
  • soziale Fähigkeiten, zum Beispiel in Form eines sozialen Ehrenamtes
  • die Reife, im Falle von Realschulabsolventen etwa ein höheres Alter

Allerdings gibt es je nach Ausbildungsniveau unterschiedliche Bewertungsgrundlagen. So spielen gute Noten sowohl bei angehenden Azubis als auch bei Berufseinsteigern nach der Uni die größte Rolle. Im Falle von Lehrstellenbewerbern kommen den EDV-Kenntnissen indes mehr Bedeutung bei, als im Falle eines Hochschulabsolventen.

„Unsere Interpretation ist, dass EDV-Kenntnisse von den Personalleitern bei Hochschulabsolventen erwartet werden, und deswegen ist es selbstverständlich, dass Hochschulabsolventen diese mitbringen“, erläutert Piopinuik. „Aber bei Lehrstellenbewerbern, die in unserem Fall nur eine Mittlere Reife gemacht haben, ist es eben nicht so selbstverständlich, dass man gute EDV-Kenntnisse mitbringt." Gleiches gilt für die Englisch-Kenntnisse.

Zudem wird speziell bei weiblichen Bewerbern aus vermutlich ähnlich gearteten Gründen sehr viel genauer auf gute EDV-Kenntnisse geachtet als bei Männern. Dafür spielt bei Männern unter den angehenden Azubis vor allem das Alter eine Rolle. „Das interpretieren wir als ein Signal von Reife, was insbesondere bei sehr jungen Bewerbern, die ungefähr 16 Jahre alt sind und sich auf eine Lehrstelle bewerben, besonders wichtig sein kann.“

Welche Fähigkeiten wie gewichtet werden, ist aber natürlich auch abhängig vom Unternehmen selbst. So setzen Personalleiter von großen Firmen bei Universitäts-Absolventen vor allem auf gute Abschluss-Noten, was die Forscher wie folgt erklären: „Unsere Interpretation ist, dass es daran liegen könnte, dass die großen Unternehmen eher einen standardisierten Bewerbungsprozess durchführen als kleinere Unternehmen, die dann vielleicht eher doch auf andere Dinge mehr Wert legen.“

Ältere Personalleiter hingegen, oder jene, die ihren Betrieb selber leiten, achten von daher auch weniger auf die Realabschlussnote. Vermutlich, weil deren jahrelange Erfahrung am Mann gezeigt hat, dass andere Befähigungen und Kenntnisse mitunter sehr viel wichtiger sein können.

Und übrigens: Hobbys sind was fürs Poesiealbum und spielten bei der Bewertung keine Rolle. Wenn überhaupt, sammelt ihr Punkte als Mitglied einer Mannschaft im Vergleich zu einer Einzelsportart. Die Gründe dafür liegen wohl auf der Hand.

Quelle: merkur.de