Tausende hören es im Live-Stream: Lehrer lästern über Mädchen mit Behinderung – Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es den Eltern der kleinen Willow ergangen sein mag, als diese mitanhören mussten, wie die Lehrer des Mädchens während eines Live-Streams über das Kind lästerten. Willow kam sechzehn Wochen zu früh auf die Welt und hat infolgedessen nicht nur körperliche Einschränkungen und eine leichte Lernbehinderung, sondern muss auch noch eine Trachealkanüle tragen, ohne die sie keine Luft mehr bekäme.

Ein Umstand, welcher drei Lehrkräften offenbar nicht ganz geheuer war.

Besagter Live-Stream der St. Andrew's-Grundschule im englischen Städtchen Kettering fand anlässlich eines Infoabends zu einer anstehenden Klassenfahrt mit Blick auf die Corona-Pandemie online statt.

Ein wichtiges Thema dabei war die medizinische Versorgung der Kinder, handelt es sich bei der St. Andrews doch um eine inklusive Schule. Eine der Lehrkräfte konnte diesbezüglich jedoch nicht an sich halten, und tauschte sich in abfälligen Bemerkungen mit zwei Kollegen darüber aus, wie unangenehm es doch sei, sich um Willow zu kümmern.

„Der Maskenwechsel bei Willow. Die Kanüle austauschen, es ist schrecklich“, beklagte sich eine der Lehrkräfte, woraufhin eine weitere hinzufügte: „Dabei würde mir übel, ich könnte das nicht erledigen.“ Lehrer Nummer drei: „Ich kann dabei nicht mal hinschauen.“

Bei diesen Personen soll es sich um zwei Lehrkräfte und einen pädagogischen Assistenten gehandelt haben. Diese hatten offenbar nicht auf dem Schirm, dass ihre Stimmen vom Mikrofon erfasst wurden und so für alle Teilnehmer im Live-Stream – mehrere Tausend Menschen – laut und deutlich zu hören waren.

Nun hatte ironischerweise ausgerechnet Willows Mutter nicht zu den Zuschauern gehört, eine Freundin schickte ihr jedoch sofort den Link.

„Willow kann sich nicht selbst verteidigen. Es ist nicht ihre Schuld, dass sie eine Trachealkanüle tragen muss“, erklärte die fassungslose Mutter daraufhin. „Für sie geht es dabei um Leben und Tod. Die Schule ist so stolz darauf, den Kindern gewisse Werte beizubringen – aber dann beschäftigen sie Lehrpersonal, das so über ein Kind mit einer Behinderung spricht. Welche Werte drückt das denn aus?!“

Die Schule ließ daraufhin verlautbaren, dass es „offensichtlich Elemente in der Unterhaltung gab, die nicht hätten geäußert werden sollen“. Dass dieses Gespräch versehentlich mit einem großen Publikum geteilt wurde, sei „äußerst unangenehm.“ Man habe sich bei der betroffenen Familie entschuldigt und wolle „das Thema mit den entsprechenden Mitarbeitern noch einmal ausführlich diskutieren“.

Bis die Sachlage geklärt ist, wurden die drei Personen suspendiert.

Mit einer Entschuldigung ist es aus Sicht von Willows Eltern jedoch nicht getan, weshalb diese einen Anwalt konsultierten. Der erklärt: „Das Entscheidende ist der Ton, in dem die Konversation der Lehrkräfte stattgefunden hat. Der kann nur als äußerst unschön und als mehr als nur ein wenig herablassend beschrieben werden.“

Zwar sei anzuerkennen, dass es nicht im Sinne der Schule lag, jene abfällige Unterhaltung mit so vielen Menschen zu teilen, so sei es dann aber nun einmal gekommen. 

„Innerhalb von zwei Stunden wurde der Link zum Stream mehr als 10.000 Mal geteilt. Immerhin ist es schön, zu sehen, wie viele Menschen Willow in den sozialen Medien verteidigen.“

Wissenswert in diesem Zusammenhang ist, dass sowohl Willows Geschwister als auch die Nachbarn den Wechsel besagter Atemmaske nebst Kanüle beherrschen. Und zwar ganz ohne Übelkeit. Immerhin könnte das Mädchen sterben, wenn der Wechsel nicht innerhalb von wenigen Minuten vonstattengehen kann.

Quelle: stern.de