Das Selfie. Was wäre das Zeitalter der Millennials ohne den ultimativen Ausdruck selbstverliebter Selbstinszenierung? Wahrscheinlich besser dran. Es gibt sogar Menschen, die unter einer regelrechten „Selfitis“ leiden – eine von der Psychologie nunmehr offiziell anerkannte mentale Krankheit. Die Symptome: Selfie-Schießen und -Postings in den sozialen Netzwerken. In rauen Mengen.

Forscher der Nottingham Trent University sowie der Thiagarajar School of Management haben sich zusammengetan und eine Skala ersonnen, die es erlaubt, festzulegen, wie schwer „Selfitis“-Fälle letztendlich greifen: „Obwohl sich [erste] Berichte [zum Thema Selfitis] als Ente erwiesen, sind wir nun in der Lage, die Existenz dieser Erkrankung zu bestätigen und eine erste Skala zu ihrer Messung bereitzustellen“, erläutert der studienverantwortliche Prof. Dr. Mark Griffiths, ein ausgewiesener Experte für Suchtverhalten.

Die Fokusgruppe für die Untersuchung wurde dabei in Indien ausgewählt. Denn hier gibt es nicht nur die meisten Facebook-Nutzer, sondern auch die höchste Anzahl an selfie-basierten Todesopfern – die Aufnahmen an riskanten Orten oder lebensgefährlichen Risiken für das beste In-Szene-Setzen fordern dort häufiger Menschenleben. Drei Schweregrade unterscheidet die Studie dabei:

  • Borderline: Man fotografiert sich mindestens drei Mal am Tag, teilt die Bilder aber nicht.
  • Akut: Man fotografiert sich mindestens drei Mal am Tag und teilt jedes der drei Bilder.
  • Chronisch: Ein unkontrollierbarer Drang, sich rund um die Uhr abzulichten und das Ergebnis mehr als sechs Mal am Tag in den Netzwerken zu teilen.

Sechs Faktoren wurden dabei identifiziert, die Menschen mit „Selfitis“ dazu bringen, ihre Selbstporträts ungehemmt zu knipsen und zu teilen: Stärkung des Selbstbewusstseins, Erregung von Aufmerksamkeit, Stimmungsaufhellung, Schaffen von Erinnerungen, Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe zu zeigen sowie sozialer Wettstreit mit anderen.

Solltet ihr euch beim Lesen angesprochen und einem Spektrum zugehörig fühlen, könnt ihr professionelle Hilfe in Anspruch nehmen – Zwangsstörungen sind heilbar.

Quelle: ntu.ac.uk