Wer das Gefühl hat, regelrecht krank zu sein, weil er in seinem Job nicht fair bezahlt wird, sollte die nun folgenden Zeilen sorgfältig lesen. Denn eine Studie hat nachgewiesen, dass schlechte Bezahlung im Beruf Menschen krankmachen kann. Von dieser mangelnden Lohngerechtigkeit sind nicht nur wir Kerle betroffen – auch Frauen leiden körperlich unter unfairer Bezahlung.

Depressionen, Blutdruckprobleme und Herzerkrankungen können die Folge sein – das sind die Ergebnisse einer Untersuchung der Wissenschaftler der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Das Gefühl, ungerecht bezahlt zu werden, führt zu Stresserkrankungen. Bei den Damen liegt bei niedrigem Einkommen das Risiko, Diabetes, Depressionen, Herzprobleme oder Bluthochdruck zu entwickeln, sogar noch höher. Auch bei Männern besteht der Zusammenhang, ist bei uns jedoch schwächer ausgeprägt.

Fairnessregeln im Betrieb sollen helfen

5700 Berufstätige wurden für die Langzeitstudie sozio-ökonomisches Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) befragt. Gut 50 Prozent der Probanden bezeichneten ihren Verdienst als gerecht, sowohl bei Männern als auch bei Frauen gaben 14 Prozenten der Befragten jedoch an, ihr Einkommen durchgehend als „ungerecht“ zu empfinden. Die übrigen Studienteilnehmer bewerteten ihren Verdienst ein- oder zweimal als „ungerecht“.

Das Ergebnis: Frauen, die ihr Einkommen als ungerecht empfinden, haben ein 64 Prozent höheres Risiko, eine stressbasierte Erkrankung zu entwickeln, als solche, die ihren Verdienst dauerhaft als fair empfinden. In der Studie zeichnete sich auch ab, dass das Empfinden der eigenen Lohnsituation als „ungerecht“ im Zusammenhang mit Stress-Erkrankungen umso deutlicher werde, je mehr die Angestellten arbeiten. Dabei ist „Empfinden“ ein wichtiger Term, denn die Forscher betonen, dass die der Studie zugrundeliegenden Daten auf Selbsteinschätzungen der Befragten fußen.
Die Wissenschaftler empfehlen Betrieben, Fairness-Regeln aufzustellen und die Angestellten beim Thema Lohnfindung mit einzubeziehen, um einem Ungerechtigkeitsempfinden vorzubeugen.