Wer kifft, ist faul, unfähig, hat sich Jobchancen verbaut und seine Libido zerstört. Verbreitete Gerüchte. Doch die Forschung belegt: Gerade die letzte Aussage ist eine haltlose Behauptung, wer täglich zum Cannabis greift, hat überraschenderweise mehr Sex. Dies liegt wohl an einem Aspekt der Droge. 

Veröffentlicht haben die Urologen der renommierten Universität Standford in Kalifornien ihre Untersuchung im aktuellen „Journal of Sexual Medicine“. Studienleiter Andrew Sun und seine Kollegen strengten eine Umfrage mit 50.000 Teilnehmern beider Geschlechter im Alter zwischen 25 und 45 Jahren an. Darin sollten die Befragten sich zu ihrem Cannabiskonsum 2016 sowie der Sexhäufigkeit in diesem Jahr äußern. Dabei zeigte sich: Egal, wie alt die Befragten waren, welcher Ethnie sie angehörten, in welcher Lebenssituation sie sich befanden oder was ihr Geschlecht ist – die Kiffer hatten circa um ein Fünftel öfter Sex als Nicht-Konsumenten. 

Locker durch Cannabis

So hatten die kiffenden Männer in vier Wochen 6,9 Mal Sex, die Abstinenzler nur 5,6 Mal. Bei den Frauen waren es 7,1 Mal bei den Kifferinnen statt 6,0 Mal bei Damen, die nicht kifften. „Häufiger Marihuana-Konsum scheint die sexuelle Motivation und Leistungsfähigkeit nicht zu schmälern. Wenn überhaupt, dann steht er mit erhöhter Koitusfrequenz in Zusammenhang“, so Studienautor Michael Eisenberg. Dabei ermittelte die Untersuchung: Mit zunehmendem Cannabiskonsum stieg auch die Sexhäufigkeit an, unabhängig davon, ob und welche anderen Drogen noch konsumiert wurden.

Einen Kausalzusammenhang stellt die Studie nicht her, sehr wohl jedoch eine Wechselbeziehung. „Dass man bei moderatem Cannabis-Gebrauch lockerer wird, ist bekannt“, kommentiert Prof. Michael Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Männergesundheit. Kiffen wird generell eher mit dem Verlust des sexuellen Appetits in Verbindung gebracht, soll für Erektionsstörungen und nachlassende Spermienqualität verantwortlich sein. Tatsächlich soll Marihuana laut Studien aber auch jene Hirnregionen anregen, die für sexuelle Erregung bedeutsam sind.

Quelle: welt.de