Wird ein Arzt hinter vorgehaltener Hand mit „Doc Holiday“ betitelt, beschreibt dies einen Mediziner, der einen ohne viel Aufhebens krankschreibt. Keine großartigen Untersuchungen, die den Simulanten bloßstellen würden, keine unangenehmen Fragen, einfach ein gelber Schein auf Bestellung. Man mag von derlei Praktiken halten, was man will, aber eines ist mal sicher: Sie sind nicht mehr zeitgemäß. Denn wie eine Studie zeigt, gehen immer mehr Arbeitnehmer sogar dann zur Arbeit, wenn es ihnen tatsächlich schlecht geht. Und wenn selbst eine echte Krankheit nicht reicht, um daheimzubleiben, und sich zu schonen, ist Blaumachen mittlerweile wohl zu einem Luxus geworden, den sich nicht mal mehr ein Ferris Bueller leisten kann.

Eine Befragung des Marktforschungsinstituts Toluna unter 1.600 Erwachsenen kam zu dem Ergebnis, dass sechs von zehn Arbeitnehmern auch dann zur Arbeit gehen, wenn sie unter Schwindelgefühlen, Kreislaufproblemen oder psychischen Erkrankungen leiden. Allerdings zeigten sich dabei deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

Im Lager der unter 30-Jährigen schleppen sich gut 30 Prozent der Angestellten trotz körperlicher Krankheit zur Arbeit, 40 Prozent zudem bei psychischen Leiden. Bei den Menschen über 60 hingegen hört immerhin noch gut die Hälfte der Befragten auf die Vernunft und lässt sich krankschreiben, wenn es mit der Gesundheit bergab geht.

Zwar hat die Untersuchung außerdem ergeben, dass sich Arbeitnehmer im Schnitt neun Tage im Jahr krankschreiben lassen, allerdings haben sich bei der Berechnung wohl zwei Extreme gegenübergestanden. Denn mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer gab zu Protokoll, nicht einen einzigen Tag aufgrund einer ärztlichen Bescheinigung gefehlt zu haben. Hochmotiviert oder starr vor Existenzangst … diese Frage trennt wohl die Optimisten von den Pessimisten.

Quelle: deutschlandfunk.de