Es gibt wohl keinen Menschen, den man in einer Notlage lieber sieht, als den Feuerwehrmann oder den Rettungssanitäter. Wenn einem das Wasser in einer Notlage wirklich bis zum Hals steht, kann man sich darauf verlassen, dass diese Menschen alles geben, um Leben zu retten. Doch häufen sich Berichte, nach denen die Retter im Einsatz von Personen attackiert, beleidigt und behindert werden – das Ergebnis einer in Münster veröffentlichen Studie offenbart das Ausmaß.

Erste Ergebnisse dieser Untersuchung wurde anlässlich einer Feuerwehrtagung des NRW-Landesverbandes der Beamten-Gewerkschaft Komba veröffentlicht. Diese zeichnen ein klares Bild: Am stärksten betroffen sind demnach mit 85 Prozent der Übergriffe vor allem Rettungssanitäter, -Assistenten und Notärzte. Das Täterprofi: Beinahe ausschließlich männlich, zwischen 20 und 29 Jahre alt und mehrheitlich unter Drogen- und Alkoholeinfluss.

Silvesterraketen am Krankenwagen, Finger fast abgedreht

Doch nicht immer sind Passanten die Täter, in 73 Prozent der Fälle sind ausgerechnet die Patienten die Angreifer: „Plötzlich, ohne Vorwarnung und meist gerade dann, wenn wir die Diagnose stellen oder mit der Therapie anfangen“, kommentiert ein Mitarbeiter des Rettungsdienstes gegenüber „Westfälische Nachrichten“. Manchmal mischen sich Unbeteiligte auch in einem solchen Fall ein. Allein die Berufsfeuerwehr Münster musste 2017 ein ganzes Dutzend Anzeigen wegen Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft schalten.

So wurden Helfer unter anderem angespuckt, mit Tritten in den Bauch traktiert oder ihre Finger fast bis zum Abreißen verdreht. Auch an Rettungswagen gezündete Knallkörper/Raketen kommen vor. Dazu gesellen sich verbale Entgleisungen: 60 Prozent der Einsatzkräfte gaben in der Untersuchung an, im Dienst mindestens einmal beschimpft oder gar bedroht worden zu sein. „Beleidigungen gehören zur Tagesordnung“, konstatiert Gewerkschaftschef Andreas Hemsing. Einsatzkräfte lernen daher immer öfter Selbstverteidigung und bekommen von ihren Arbeitgebern Deeskalationstraining.

Ohne Folgen bleiben die Übergriffe von Passanten und Patienten nicht länger: Mittlerweile werden solche Taten und Worte konsequent zur Anzeige gebracht.

Quelle: wn.de