Wie Hund und Katze – nur wenige Streitpunkte spalten Haustiereigner so sehr, wie die Frage, wer denn jetzt klüger sei: Der beste Freund des Menschen oder doch eher die schnurrenden Eigenbrötler mit dem 15-Stunden-Schlaf? Neurobiologen kennen die Antwort: Sie haben sich die Gehirne der Tiere angeschaut und die Ergebnisse ihrer Untersuchung im Fachblatt „Frontiers in Neuroanatomy“ veröffentlicht.

Sagen wir es mal so: Hundebesitzer dürfen sich freuen, während Katzenbesitzer, die bis zuletzt davon überzeugt waren, ihr Tier sei intelligenter, eine ziemlich bittere Pille zu schlucken haben dürften: Die Hirnrinde des Hundes verfügt über mehr als doppelt so viele Neuronen wie die der Katze. Neuronen sind spezielle Nervenzellen, die im Gehirn als Botschaften-Übermittler dienen. Die Experten von sechs verschiedenen Unis nahmen für ihre Studie die Gehirne von verschiedenen Fleischfressern unter die Lupe und sparten dabei auch Hunde und Katzen nicht aus.

Schlaues Haustier gesucht, keine Lust auf Hunde? Waschbären!

„Unsere Ergebnisse offenbaren, dass Hunde die biologischen Voraussetzungen mitbringen, sehr viel komplexere und flexiblere Dinge zu tun als Katzen“, so Studienleiterin Suzana Herculano-Houzel. „Ich glaube, dass die Summe der Neuronen, über die ein Tier verfügt – vor allem auf der Großhirnrinde – bestimmt, wie gut es um dessen Geisteszustand bestimmt ist", so Herculano-Houzel. „Außerdem zeigt sie, wie stark die Fähigkeit ausgeprägt ist, abzuschätzen, was als Nächstes passieren wird. Dazu werden Erfahrungen in der Vergangenheit herangezogen.“

Für ihre Neuronen-Zählung zerkleinerten die Biologen Hirnrinden verschiedener Raubtiere und pürierten sie zu einer „Suppe“, aus der der sie nach einer Zählung der Zellen die durchschnittliche Neuronenzahl durch Überschlagen ermittelten. Hunde verfügen demnach über ca. 530 Millionen Neuronen, Katzen nur über 250 Millionen. Obgleich das Hunde-Hirn im Verhältnis zur Körpergröße der Tiere nicht das größte Gehirn im Tierreich ist, hatten Hunde von allen untersuchten Tierarten doch die meisten Neuronen. Auf eine ähnlich große Neuronen-Zahl bei weitaus kleinerem Hirn bringt es als Haustier lediglich der Waschbär.

Mit einer weit verbreiteten These konnte die Studie zudem auch aufräumen: Fleischfresser hatten keinesfalls mehr Neuronen als Pflanzenfresser – bislang war die Forschung davon ausgegangen, die Tiere seien klüger, weil die Jagd auf Beute eine anspruchsvollere Tätigkeit sei, als der Konsum von Weidegras oder Blättern. Die Wissenschaftler sind jetzt überzeugt: Pflanzenfresser brauchen ebenfalls eine angeregte Hirntätigkeit für die Wachsamkeit sowie die Flucht vor Fressfeinden.

Quelle: stern.de