Wer kennt das nicht? Ein langer Tag ist endlich vorbei und eigentlich ist man ziemlich kaputt. Doch der heilsame Schlaf will sich einfach nicht einstellen und man wälzt sich noch Stunden hin und her, bevor man am nächsten Tag gerädert erwacht. Schlafstörungen. Eine der Hauptursachen für diesen quälenden Zustand: Stress, meist ausgelöst durch quälende Gedanken, die uns vor dem Einschlafen heimsuchen. Doch die Wissenschaft hat eine verblüffend simple Antwort, wie man den amoklaufenden Gedanken durch einen einfachen Trick Einhalt gebieten kann.

Das Fazit einer Studie, die sie im Fachblatt „Journal of Experimental Psychology“ veröffentlichten. Bereits in früheren Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass man seine Leistungsfähigkeit steigern und durch Sorgen ausgelösten Stress senken kann, indem man diese niederschreibt. In ihrer aktuellen Studie gingen die Experten der Baylor University Waco (Texas) der Frage nach, ob es beim Einschlafen helfen könnte, wenn man Gedanken, die auf die Zukunft gerichtet sind, niederschreibt. Für ihre Untersuchung wählten die Experten 57 gesunde Erwachsene im Alter von 18–30 Jahren aus und zeichneten das Schlafverhalten ihrer Studienteilnehmer auf.

Kostbare neun Minuten weniger

Die Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt, von denen eine angewiesen wurde, sich vor dem Schlafengehen fünf Minuten Zeit zu nehmen. Sie sollten in einem einzigen Absatz oder zumindest stichwortartig notieren, was sie „morgen oder in den kommenden Tagen erledigen müssen“. Die andere Gruppe sollte hingegen notieren, was sie in den vergangenen Tagen und Stunden bereits erledigt hatte. Das interessante Resultat: Jene Studienteilnehmer aus der ersten Gruppe schliefen im Schnitt neun Minuten schneller ein. Und zwar zudem basierend auf der Länge ihrer Ausführungen: je nachdem, ob die Liste stichwortartig oder als zusammenhängender Text aufgestellt wurde, variierte die Einschlafdauer.

Je umfangreicher und detailgenauer die Liste war, umso schneller schliefen die Probanden ein. Der Studienautor, Psychologe und Psychiater Michael Scullin ist überzeugt: Das bewusste Niederschreiben erlöst Menschen „vom gedanklichen Wiederkäuen“, für Scullin ist „der Akt des Schreibens der Schlüssel“. Der Wissenschaftler ist überzeugt: Würde man die Menschen bitten, sich vor dem Schlafengehen anstehende Aufgaben noch einmal bewusst zu machen, ohne sie aufzuschreiben, wäre der Effekt gegenteilig. Neun Minuten Beschleunigung der Einschlagzeit klingen nicht nach viel, seien laut dem Experten aber durchaus mit der Wirkung rezeptpflichtiger Schlaftabletten vergleichbar.

„Jede Nacht neun Minuten mehr Schlaf zu bekommen, kann tatsächlich einen echten Unterschied machen“, so der Psychologe. Man sollte daher lieber dem Trick erst eine Chance geben, bevor man zu Medikamenten greift.

Quelle: kurier.at