Wenig überraschend: Nach wie vor ist Cannabis hierzulande bei Jugendlichen und Erwachsenen die beliebteste Droge. Das geht aus dem aktuellen all-zehnjährlichen Bericht des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) über die Drogen-Situation der einzelnen EU-Länder hervor. 13,9 Prozent aller Europäer im Alter von 18 bis 34 Jahren nehmen oder nahmen Haschisch in diversen Formen zu sich.

In Deutschland nahm der Anteil zu: Waren es 2007 noch circa 10 Prozent der Altersgruppe gewesen, sind es 2017 13,3 Prozent Konsumenten. Ein Viertel aller Deutschen hat in seinem Leben schon illegale Drogen zumindest angetestet, jeder Zehnte hat im letzten Jahr Drogen in irgendeiner Form konsumiert – im letzten Monat allein griff jeder Zwanzigste hierzulande zu Rauschmitteln. Doch nicht nur Marihuana oder Haschisch stehen im Kurs. Es folgen – wenn auch mit Abstand – noch andere Substanzen:

1,9 Prozent der Konsumenten bevorzugen Amphetamine wie etwas Speed oder Crystal Meth. Mit 1,3 Prozent liegen MDMA-Varianten wie Ecstacy dahinter, dicht gefolgt von dem nicht totzubekommenden Kokain (1,2 Prozent). Die Zahlen für diese Drogen bewegen sich im Gegensatz zum Cannabis-Konsum auf dem gleichen Niveau wie in den letzten Berichten. Cannabis gilt als wenig gefährlich und wird damit oft als Einstiegsdroge betrachtet, wegen der langfristig geringeren Gesundheitsschäden und dem schwächeren Suchtpotenzial.

Alkohol am schlimmsten

Laut Jens Reimer, Leiter des Instituts für Suchtforschung in Hamburg, sei die schädlichste aller Substanzen nach wie vor Alkohol, wenn es um gesundheitliche Folgen und Risiken gehe. Hier bestünde Handlungsbedarf. Risikofrei sei der Cannabis-Konsum aber mitnichten, so Reimer. Die Substanz kann Angstzustände, Halluzinationen und Psychosen auslösen, den Intelligenzquotienten schädigen und das Gehirn bei massivem Konsum langfristig verändern. Die meisten Todesopfer fordern nach wie vor Opioide, aus Opium gewonnene oder synthetisch hergestellte Varianten wie etwa Heroin. 81 Prozent der tödlichen Überdosen gehen auf das Konto dieser Drogen. Die Zahl der Konsumenten sei laut Reimer seit Jahren unverändert.

Explizit nicht in dem europäischen Drogenbericht erwähnt werden verschreibungspflichtige Opioide, etwa das Schmerzmittel Fentanyl oder der bekannte Hustenstiller Codein. Zwischen 2000 und 2010 stieg die Verschreibungsrate für diese Mittel um 37 Prozent. Ebenfalls ein Problem: Synthetische Cannabinoide, die ursprünglich die Begleiterscheinungen von Chemotherapien dämpfen sollten. Solche „Badesalze“ bzw. „Kräutermischungen“ gelten oft noch als so genannte „Legal Highs“ und bewegen sich in einer Grauzone.

Reimer ist überzeugt: Jede Droge birgt Risiken, doch oftmals rührten diese nicht von der Substanz, sondern daher, dass die Konsumenten nicht wüssten, was sie ihrem Körper in welchem Verhältnis zuführten. Abschaffen ließe sich der Konsum aber nicht: „Wir werden es nicht schaffen, eine drogenfreie Welt zu bauen“, so Reimer.

Quelle: welt.de