Dick sein bedeutete bisher: Diabetes, Bluthochdruck, Arteriosklerose (Arterienverkalkung), Fettstoffwechselstörungen, Herzinfarkt, Schlaganfall! Doch diese scheinbar unumstößliche Tatsache gerät nun ins Wanken. Wissenschaftler der University of California in Los Angeles behaupten nämlich, dass der Body-Mass-Index (BMI) über den Gesundheitszustand des Menschen keine ausschlaggebenden Informationen liefert. Im Klartext heißt das: Wer dick ist, ist nicht automatisch auch krank.

Das zeigte die Auswertung der Daten von 40.000 US-Amerikanern. Das Ergebnis wurde dann auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet und erstaunlicherweise waren demnach bei rund 54 Millionen Amerikanern mit Übergewicht keine Krankheitssymptome zu erkennen. Blutdruck, Blutzuckerspiegel oder Cholesterinwerte, alles im grünen Bereich. Fast die Hälfte der Bevölkerung, die durch ihren hohen BMI als krank eingestuft wird, ist also gesund. Weitere 20 Millionen Menschen, die als adipös gelten ebenso.

Auf der anderen Seite haben über 30 Prozent der Menschen mit einem „gesunden“ BMI schlechte Werte in Sachen Blutdruck, Blutzucker-, Cholesterin- und Triglycerid-Level.

Vor dem Hintergrund der anstehenden Reform des Versicherungssystems ist dies eine Erkenntnis mit weitreichenden Folgen. Denn in den USA sollen zukünftig diejenigen eine höhere Prämie zahlen, die mehr Kosten verursachen. Für Dicke, die dank ihres BMIs grundsätzlich als ungesund gelten, hätte es also teuer werden können.

A. Janet Tomiyma, Hauptautorin der Studie, kritisiert: „Es gibt gesunde Menschen, die aufgrund einer fehlerhaften Gesundheitsmessung bestraft werden könnten, während ungesunde Menschen mit normalem Gewicht nicht als solche erkannt werden, und nicht mehr für ihre Krankenversicherung zahlen müssen."

Oder wie es ihr Kollege und Co-Autor Jeffrey Hunger auf den Punkt bringt: „Dies sollte der letzte Nagel im Sarg für BMI sein!“