Studie: Darum scheinen aufgedonnerte Frauen nie zu frieren – Es ist eine Frage, die Männer schon seit Generationen umtreibt: Wie kann es sein, dass Frauen, wenn sie sich zum Ausgehen aufdonnern, trotz knapper Kleidung selbst bei Minusgraden nicht zu frieren scheinen, wenn ihnen doch ansonsten ständig kalt ist? Daheim mit dicken Socken, Schal und Wärmflasche auf dem Sofa – und draußen über Stunden halbnackt für ein paar sexy Bilder auf Instagram.

Eine Gruppe von Forscherinnen der University of Florida hat versucht herauszufinden, wie das sein kann.

In der Studie mit dem Titel „When looking ‚hot‘ means not feeling cold: Evidence that self-objectification inhibits feelings of being cold“ – zu Deutsch: Wenn „heiß“ aussehen bedeutet, nicht zu frieren: Beweise dafür, dass Selbstobjektivierung das Gefühl von Kälte hemmt – heißt es:

„Die Selbstobjektivierung, die Verinnerlichung der auf dem Aussehen basierenden Perspektive eines Beobachters auf den eigenen Körper, ist eine Theorie, die nachweislich das Körperbewusstsein von Frauen verringert.

In dieser Feldstudie schlagen wir die Selbstobjektivierung als Mechanismus vor, um das oft beobachtete Phänomen zu erklären, dass Frauen, die wenig Kleidung tragen, die Kälte nicht zu stören scheint, und stellen die These auf, dass die Selbstobjektivierung das Kälteempfinden der Frauen behindert.“

Im Zuge der Studie sollten 224 Frauen, die in einer großen US-amerikanischen Stadt in einem Szene-Stadtteil unterwegs waren, einen Fragebogen ausfüllen. Außerdem erfasste man die Outfits der Teilnehmerinnen anhand verschiedener Variablen, um diese dann in Relation zu den jeweiligen Antworten setzen zu können.

„Es wurden anonyme Fotos gemacht und nach dem Ausmaß der Hautentblößung kodiert.“

Wie sich dabei zeigte, waren Frauen, welche dem vorherrschenden Schönheitsideal mehr Bedeutung beimaßen, so sehr mit ihrem Aussehen beschäftigt, dass sie ihre Grundbedürfnisse hintanstellten.

„Frauen mit geringer Selbstobjektivierung wiesen einen positiven, intuitiven Zusammenhang zwischen Hautbedeckung und Kälteempfinden auf, während Frauen, die stärker auf ihr Äußeres achten, sich nicht kälter fühlten, wenn sie weniger Kleidung trugen“, erklären die Psychologinnen.

„Vom Korsett bis zur Shapewear, vom Füßebinden bis zu den Stöckelschuhen, die gesellschaftliche Schönheitsnorm wurde stets dem Komfort vorgezogen.“

Weiter heißt es: „Ein Beispiel dafür, dass man um der Mode willen Unannehmlichkeiten in Kauf nimmt, findet man heute in Städten auf der ganzen Welt, wo selbst in Winternächten viele Frauen mehr von ihrem Körper preisgeben, als sie bedecken, wenn sie abends ausgehen.“

Laut den Psychologinnen seien Frauen in biologischer Hinsicht natürlich nicht gegen die Kälte immun, weshalb das Phänomen psychologischer Natur sei.

„Wenn Frauen sich in einem Zustand der Objektivierung befinden, sind sie sich ihres Hungers oder gar ihres Herzschlags weniger bewusst.“

Um abschließend zu klären, ob die Ergebnisse die Folge eines reduzierten Bewusstseins an sich oder der Verweigerung eines Kälteempfindens sind, bedarf es noch weiterer Untersuchungen.

Dennoch – so das Fazit der Forscherinnen – stelle ihre Studie die erste wissenschaftliche Untersuchung darüber dar, weshalb für viele Frauen in einer sexuell objektivierenden Kultur „heiß“ aussehen bedeutet, nicht zu frieren.

Quellen: researchgate.net , stern.de