Der Begriff „Freund“ kommt heutzutage äußerst inflationär zum Einsatz. Man nehme zum Beispiel nur einmal die sogenannte und angeblich aussagekräftige „Freundesliste“ auf Facebook. Mal ehrlich, wie viele von den Leuten in dieser Liste haben den Ehrentitel „Freund“ wirklich verdient? Doch auch im wahren Leben schätzen wir die Zuneigung anderer offenbar in vielen Fällen falsch ein.

Hart, aber das Ergebnis einer Studie des Massachusetts Institute of Technology und der Universität Tel Aviv: Knapp die Hälfte der Menschen, die wir zu unseren Freunden zählen, erwidert unsere Freundschaft nicht!

Um das herauszufinden, schnappte man sich 84 Studenten der israelischen Universität im Alter von 23 bis 38 Jahren. Diese sollten nun auf einer Skala von null bis fünf die Beziehung zu ihren Kommilitonen bewerten. Null stand dabei für „Ich kenne diese Person nicht“, drei für „Freund“ und fünf für „einer meiner besten Freunde“. Außerdem wurden die Teilnehmer gebeten, einzuschätzen, wie die andere Person zu ihnen steht.

Ergebnisse für die Allgemeinheit!
Zwar war die Zahl an Probanden verhältnismäßig gering, doch die Forscher bezeichnen die dabei gewonnenen Daten als signifikant, wenn es darum geht, diese auf die Allgemeinheit hochzurechnen. Und dementsprechend müssen wir wohl leider davon ausgehen, dass gut die Hälfte der Menschen, die man selbst als Freunde bezeichnet, gar nicht mit einem befreundet sein möchte.

Sind wir denn wirklich so schlecht darin, Freundschaften einzuschätzen? Den Wissenschaftlern zufolge spielt dabei das eigene Ego eine große Rolle und dass man unterbewusst eine Kränkung vermeiden möchte. Doch es gibt noch weitere Faktoren, die Einfluss darauf haben, ob Freundschaften einseitig oder wechselseitig bestehen. Zum Beispiel der sozioökonomische Status, das Geschlecht oder ethnische Hintergründe.

Zwei dieser Faktoren dienten dem Forschungsteam dabei als besonderes Indiz für die Art der Beziehung: soziale Eingebundenheit und soziale Zentriertheit. Ersteres steht dafür, inwiefern sich die Freundeskreise zweier Personen überlappen. Ganz klar: Je mehr gemeinsame Freunde man hat, desto eher ist man auch selbst befreundet. Punkt Zwei bezieht sich auf den Unterschied im sozialen Status. Menschen mit einem geringen Einkommen werden sich demnach eher mit Leuten verstehen, die ähnlich wenig verdienen, als mit Personen, die ihnen in Sachen Verdienst weit überlegen sind. Zudem wählten Menschen mit einem höheren Status eine geringe Zahl an Menschen aus, mit denen sie befreundet sein wollen.