Sexuelle Belästigung: Finnland will Haftstrafen für „Dick Pic“ Versender – Eine Frau – oder auch ein Mann – öffnet eine Nachricht in einer Smartphone-App oder eine E-Mail. Plötzlich ist es da: ein Penisfoto, auch „Dick Pic“ genannt. Ohne Aufforderung. In Finnland könnten Männer für das ungefragte Versenden solcher „Komplimente“ bald empfindliche Haftstrafen von bis zu sechs Monaten drohen. In Deutschland bleiben sie meist straffrei.

In Finnland will man dem unaufgeforderten Versenden der Penisbilder und anderer sexueller Pics nun entgegentreten: 2021 soll das Parlament über einen Gesetzesentwurf zum sogenannten „Cyber Flashing“ befinden, wie ein Sprecher des finnischen Justizministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag erläuterte.

Demnach möchte man in Finnland die Definition sexueller Belästigung erweitern. Fortan soll darunter auch „verbale Belästigung, Belästigung durch Bilder oder Nachrichten, das Fotografieren von anderen oder durch Selbstentblößung“ fallen. Ein entsprechendes Strafmaß könnte sowohl Geld- als auch Haftstrafen umfassen.

Im Moment muss in Finnland eine Berührung erfolgen, soll eine Handlung den Straftatbestand der sexuellen Belästigung erfüllen. Unter Umständen kann das unaufgeforderte Verschicken freizügiger Bilder in dem Land auch heute bereits unter das Gesetz zur Diffamierung fallen und strafrechtlich geahndet werden – in dem Fall wird jedoch eine sexuelle Komponente nicht einbezogen. Dies soll sich mit dem neuen Entwurf ändern.

Erhält man in Deutschland unaufgefordert solche „Dick Pics“, so verlaufen die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen jedoch oft im Sande. Oft können die Besitzer von Social-Media-Konten von den Justizbehörden nicht ermittelt werden – die Unternehmen hinter den Netzwerken geben die Daten nicht heraus oder eine genutzte IP-Adresse kann einem Nutzer nicht eindeutig zugeordnet werden.

Sexuelle Belästigungen im Internet finden Studien zufolge häufig statt: Die Kinderrechtsorganisation Plan International führte 2020 eine weltweite Umfrage durch. Diese konnte aufzeigen, dass von 14.000 befragten jungen Frauen und Mädchen 51 Prozent online belästigt worden waren. Mehr als ein Drittel der 15- bis 25-Jährigen habe dabei „sexuelle oder explizite Fotos oder Bilder“ erhalten.

Quelle: spiegel.de