Schulbehörde verbrennt Bücher und Comics: Sind Lucky Luke, Asterix und Tim & Struppi rassistisch? – Wie erst kürzlich bekannt wurde, hat eine Schulbehörde im kanadischen Windsor bereits 2019 eine regelrechte Bücherverbrennung veranstaltet, der rund 5.000 Comics, Romane und Lexika zum Opfer fielen. Diese umstrittene Anti-Rassismus-Aktion diente dem Zweck der Versöhnung mit den Ureinwohnern des Landes, welche in den vernichteten Schriften beleidigend und stereotyp dargestellt wurden.

Auch berühmte Comics wie „Tim in Amerika“ aus der Reihe Tim & Struppi, drei Werke aus der Lucky-Luke-Serie, „Asterix in Amerika“ und Pocahontas waren unter den 4.716 verbrannten Büchern.

Nicht nur sei die in den Comics benutzte Bezeichnung „Indianer“ falsch, indigene Völker würden darin außerdem als primitiv, gefährlich, übersexualisiert und dumm dargestellt.

Als Beispiele werden eine unverständliche und primitive Lautsprache, überzogene Zeichnungen, immer wieder gezeigte Nacktheit, Brutalität sowie eine Abwendung von eurozentrischen Normen und Werten genannt.

Die Verbrennung wird als „Reinigungszeremonie durch Flammen“ bezeichnet, im Zuge derer zunächst etwa dreißig als nicht angemessen erachtete Bücher verbrannt wurden, um die Asche dann als Dünger zu verwenden.

Die Idee dahinter: Aus etwas Negativem etwas Positives machen.

Der Schulrat erklärt in einem Video: „Wir begraben die Asche von Rassismus, Diskriminierung und Stereotypen in der Hoffnung, in einem integrativen Land aufzuwachsen, in dem alle in Wohlstand und Sicherheit leben können.“

Suzy Kies zufolge, die als Autorin des Videos fungierte und als „Bewahrerin des Wissens der Ureinwohner“ auftritt, sei die Darstellung indigener Charaktere in den Comics „unzuverlässig, faul, besoffen, dumm“. Es sei schwer, es wieder loszuwerden, sollte sich „diese Art von Bild in den Köpfen der jungen Leute verewigen“.

Als Beispiel führt sie Asterix in Amerika an, in welchem eine mit tiefem Ausschnitt und Minirock bekleidete Frau Obelix Avancen macht. „Radio Canada“ gegenüber fragt Kies: „Würdest du in einem Minirock durch den Wald laufen?“

Ginge es nach dem Willen der Initiatoren, sollte eine derartige Zeremonie an jeder Schule stattfinden, aber dann kam die Corona-Pandemie dazwischen.

Vor dem Hintergrund der in Kanada am 20. September stattfindenden Bundeswahlen ist das Thema nun aber ein Politikum.

Quebecs Premierminister François Legault hält es unabhängig von deren Inhalt für „inakzeptabel“, Bücher zu verbrennen. Medienberichten zufolge erklärte er: „Für mich ist das Verbrennen von Büchern eine grausame Handlung.“

Premier Justin Trudeau sei laut „Radio France International“ nie mit Bücherverbrennungen einverstanden gewesen, allerdings sehe er es nicht als seine oder die Aufgabe von „Nicht-Aborigines“ an, Ureinwohnern zu sagen, wie diese sich fühlen sollen.

Anthropologin Nicole O'Bomsawin, die selber zur indigenen Bevölkerung Kanadas zählt, sieht das Verbrennen von Büchern hingegen kritisch: „Es ist ein wenig peinlich, die Darstellung von hemdlosen Aborigines in Kindergeschichten zu sehen“, sagte sie „Radio Canada“.

Sie gibt jedoch auch zu bedenken, dass die Bücher nicht entfernt werden können. „Ich bin mir nicht sicher, ob es das Richtige ist. Es ist Teil einer Ära“.

Aus Sicht von O'Bomsawin müsse man die Bücher und die darin enthaltenen falschen Darstellungen in den richtigen Kontext rücken und die Geschichte dahinter thematisieren, anstatt jene einfach zu löschen.

Quelle: bild.de