Trans-Schüler falsch angesprochen: Suspendierte Lehrerin zieht vor Gericht – In den USA hatte eine Lehrerin einen Trans-Schüler nicht in der Form des selbstgewählten Geschlechts angesprochen, und war daraufhin von ihrem Job suspendiert worden. Das wollte sich die Frau jedoch nicht gefallen lassen – und zog vor Gericht.

Zwar wurde der „Washington Post“ zufolge dort letzten Endes keine rechtlich-endgültige Entscheidung vonseiten der Richter gefällt, da sich die fragliche Lehrerin und die Schulbehörde auf einen außergerichtlichen Vergleich geeinigt hatten, aber dennoch erhält Pamela Ricard nun 95.000 Dollar.

Offenbar wollte die Schulbehörde aufgrund der schlechten Erfolgsaussichten einen Prozess vermeiden.

Wie es heißt, hatte die christliche Mathematik-Lehrerin bereits im April letzten Jahres einen Trans-Schüler mit „Fräulein“ und dem Nachnamen angesprochen. Die Frau arbeitet an einer sogenannten Mittelschule mit Kindern, die für gewöhnlich zwischen 11 und 13 Jahre alt sind.

Als der Unterricht vorbei war, erhielt die Lehrerin eine Mail von einem Mitschüler, in dem dieser erklärte, dass das als Mädchen geborene Kind seinen Vornamen geändert habe und nun mit „er“ angesprochen werde.

Am folgenden Tag nutzte die Lehrerin schließlich nur noch den Nachnamen und verzichtete gänzlich auf das Pronomen, woraufhin der Verfasser der Mail aus dem Klassenzimmer stürmte und der Lehrerin dabei eine Nachricht auf den Tisch legte, in der er sie als „transfeindlich“ betitelte und über den Trans-Schüler schrieb:

„Sein Pronomen ist ,er’.“

Daraufhin wurde die 58-Jährige vonseiten der Schule für drei Tage suspendiert und erhielt bei ihrer Rückkehr außerdem einen schriftlichen Verweis mit der klaren Botschaft, dass sie beim nächsten Vergehen ihren Job verlieren würde. Außerdem hielt man die Frau dazu an, die selbst gewählten Anreden der Schüler zu verwenden.

Zwar erklärte Ricard, sich an die Anordnung halten zu wollen, betonte aber auch, dass diese Geschlechter-Regeln nicht mit ihren christlichen Überzeugungen vereinbar seien.

Gut ein halbes Jahr später ordnete die Schulbehörde dann sämtliche Lehrer an, die neuen Geschlechtsformen von Trans-Schülern in der Anrede zu nutzen. Um die Kinder vor einem ungewollten Coming-Out zu schützen, solle vor den Eltern jedoch weiterhin der im Pass eingetragene Name verwendet werden.

Ricard reichte schließlich Klage ein, in der es hieß: „Frau Ricard glaubt, dass Gott den Menschen entweder als Mann oder als Frau geschaffen hat, dass dieses Geschlecht in jedem Menschen vom Moment der Empfängnis an festgelegt ist und dass es nicht geändert werden kann, unabhängig von den Gefühlen, Wünschen oder Vorlieben des Einzelnen.“

Außerdem wolle Ricard den Eltern den Geschlechtswechsel nicht vorenthalten.

Im Rahmen einer Vor-Verhandlung wurde schließlich beschlossen, dass Ricard ihre Schüler zwar mit deren neuen Vornamen anreden solle, das männliche Pronomen bei als Mädchen geborenen aber nicht nutzen müsse.

Das Hauptverfahren endete dann mit besagtem Vergleich, der mit einer Entschädigungszahlung einhergeht. Ricard gilt außerdem als rehabilitiert, ihre Personalakte wurde des Verweises bereinigt.

Vonseiten der Behörde erging offiziell, dass Ricard „in gutem Ansehen stand und keine disziplinarischen Maßnahmen gegen sie eingeleitet wurden“.

Die Lehrerin arbeitet mittlerweile in einem anderen Bundesstaat – ihrem Anwalt zufolge aus familiären Gründen.

Quellen: bild.de , washingtonpost.com